Das haben "Caritas&Du" 2014 bewirkt

14.04.15 / 09:52

6.800 Hilfesuchende in den zentralen Hilfseinrichtungen der Caritas, weitere 6.600 Menschen in den psychosozialen Einrichtungen und 13.260 Anrufe in der Telefonseelsorge: So die Bilanz der Caritas Kärnten.

"Ihre Spende kommt an!" Mit diesen Worten eröffnet Caritasdirektor Dr. Josef Marketz die Pressekonferenz anlässlich des kommenden Caritassonntags am 22. März 2015. Marketz hat seit September 2014 das Amt vom langjährigen Caritasdirektor Dr. Viktor Omelko übernommen und zeigt sich dankbar für knapp 1.200 MitarbeiterInnen und 417 Freiwillige, die täglich an den Brennpunkten der Not, aber auch in der Begleitung von Menschen, die in verschiedenen Formen Hilfe und Beistand benötigen, im Einsatz sind.
Die Armutsgefährdung habe längst den Mittelstand erreicht. Die Ursachen dafür sieht Marketz in der Arbeitslosigkeit, aber auch die Suchtproblematik stiege massiv an. "Es bedrückt mich persönlich, dass diese Themen im Wahlkampf faktisch nicht zu hören waren. Es kann nicht sein, dass Kärnten Gelder für Soziales einfriert und nach dem Gießkannenprinzip verteilt", appelliert Marketz an die politisch Verantwortlichen. Immerhin seien immer noch 5 % der Kärntnerinnen und Kärntner tatsächlich arm und 20 % armutsgefährdet. Konkret meint Marketz damit beispielsweise die massive Kürzung der öffentlichen Gelder für die Obdachloseneinrichtung der Caritas in Klagenfurt.

"Die Menschen haben Probleme, ihre Mieten zu zahlen oder die Wohnung im Winter entsprechend zu heizen. Diese Entwicklung hat sich auch im Jahr 2014 weiter verschärft. So haben vergangenes Jahr 6.800 Personen 47.323 Mal den Weg zur Caritas als letzten Ausweg gesehen. Allein in der Sozialberatung verzeichnen wir ein Plus von 4,47 % bei den Hilfsansuchen von InländerInnen und ein Plus von 35,43 % von AusländerInnen", schlägt Marketz Alarm. "Eine Entwicklung, die bedenklich ist und den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ganz oben in ihre Agenden geschrieben werden sollte", sagt Marketz. Als Grund dafür sind neben Arbeitslosigkeit auch zu niedrige Löhne zu nennen: Erwerbstätigkeit schützt nicht mehr automatisch vor Armut. Als besonders gefährdet gelten AlleinerzieherInnen und Familien mit vielen Kindern.

Die Sozialberatung ist das Herzstück der Caritas-Hilfe im Inland. Materielle Überbrückungshilfen und vor allem intensive Beratung sollen die Menschen langfristig gesehen wieder unabhängig von fremder Hilfe machen. "Hilfe ist ein Prozess. Dabei ist es essentiell, dass unsere MitarbeiterInnen empathisch auf jede und jeden individuell eingehen und mit den Betroffenen gemeinsam Lösungen suchen." Auch in der Obdachlosenbetreuung geht der Trend weiter, dass die Menschen immer jünger werden: 44 % der 671 KlientInnen sind unter 40 Jahre alt. Die Anlaufstelle für Betroffene von Menschenhandel und Sexarbeiterinnen hat 72 Frauen geholfen, einen Neuanfang zu schaffen. Die drei Caritas-Lerncafés und das 2014 neu eröffnete SPAR-Lerntreff, die mit Hilfe von 50 Freiwilligen kostenlose Nachmittagsbetreuung für 129 SchülerInnen bieten, platzen aus allen Nähten und die von 35 Freiwilligen gehaltenen 7 Deutschkurse für AsylwerberInnen zählen 200 AbsolventInnen. Ein neues Projekt will die Caritas gemeinsam mit der Diözese Gurk umsetzen: Der sogenannte "Franziskusfonds", der vorerst mit 50.000 Euro gespeist werden soll, soll Asylberechtigten in Form von Darlehen Starthilfe bei der Wohnungssuche und -einrichtung ermöglichen.

Doch die Not hat viele Gesichter und nicht immer führen finanzielle Schwierigkeiten die Menschen zur Caritas: die psychosozialen Einrichtungen Lebensberatung, Männerberatung und Suchtberatung verzeichnen ebenso einen Anstieg an Hilfesuchenden. Insgesamt waren es 6.600 Personen. In der Telefonseelsorge klingelte es 13.259 Mal.

Auch die Hilfe im Ausland ist der Caritas ein Anliegen. Egal ob im Katastrophenfall, wie dies 2014 in Südosteuropa der Fall war, bei humanitären Katastrophen wie in Syrien und der Ukraine oder auch in langfristigen Hilfsprojekten in Albanien und Afrika - die Caritas hilft - unbürokratisch, rasch und effizient.

"All diese Tätigkeiten werden großteils von Spenderinnen und Spendern in Kärnten getragen, da die Förderungen der öffentlichen Hand bei weitem nicht ausreichend sind", zieht Mag. Marion Fercher aus finanzieller Sicht Bilanz. Im Jahr 2014 machte das Budget der Hilfsorganisation € 7,657 Millionen* aus. Davon haben die Kärntnerinnen und Kärntner 2,78 Millionen gespendet.

*Die Caritas Kärnten besteht aus 4 Vereinen. Abgebildet ist hier die Gebarung des Caritasverbandes. Nicht enthalten sind Leistungen des Insituts für Betreuen und Pflegen (stationäre Pflege), dem Caritas.Team Lebensgestaltung (Menschen mit Behinderung) sowie des Instituts für Kinder und Jugend (Kindergärten).

Wichtig zu erwähnen ist, dass nicht die Caritas entscheidet, was mit den Spenden geschieht. Es zählt der SpenderInnenwille, der einfach mit der Zweckwidmung festzulegen ist. 41,21 Prozent der Spenden haben die Kärntnerinnen und Kärntner für die Inlandshilfe eingesetzt. 340 Menschen haben ihren Kirchenbeitrag zugunsten der Caritas zweckwidmen lassen, unzählige Menschen kreieren ihre ganz persönlichen Hilfs- und Spendenaktionen. Im Rahmen der youngCaritas waren 11.000 Jugendliche im Einsatz für die Nächstenliebe. Einen immer wichtigeren Beitrag leisten auch Unternehmenskooperationen. Die Wirtschaft ist für die Caritas zu einem nicht mehr wegzudenkenden Partner geworden. "Wir bedanken uns ganz herzlich bei all jenen, die unsere Arbeit so tatkräftig unterstützen, sei es mit Spenden oder freiwilliger Mitarbeit, ohne die wir vieles nicht zustande bringen würden", zeigt sich das Leitungsteam verbunden.

Die Caritas bittet auch weiterhin um die Solidarität der Kärntnerinnen und Kärntner. Die nächste Möglichkeit zu spenden, bietet der Caritassonntag am 22. März in allen katholischen Pfarren oder auf das Konto
Kärntner Sparkasse
IBAN: AT40 2070 6000 0000 5587,
BIC: KSPKAT2KXXX,
Kennwort: Caritassonntag

Bzw. online

Das Arbeitsfeld der Caritas ist in Kärnten jedoch weit breiter als mancher denken möchte. So zählen die Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft, die mobile Pflege daheim, die Hospizbegleitung, die Sozialschulen mit über 1.500 SchülerInnen, 9 Altenwohn- und Pflegeheime, verschiedenste Wohnformen sowie Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen und vieles mehr dazu. Diese Tätigkeitsfelder sind jedoch nicht spendengetrieben.

In all ihren Bemühungen, von vor der Geburt bis hin zum Sterben für Menschen da zu sein- die älteste Dame, die von der Caritas begleitet wird, ist 106 Jahre alt - ist die Caritas enorm kostenbewusst. "Die gesamte Verwaltung der 1.200 MitarbeiterInnen und 417 Freiwilligen wird von 20 Personen in der Verwaltung erledigt", gibt Fercher weiter Einblick.

Den gesamten Wirkungsbericht 2014 samt Jahresrechnung können Sie hier downloaden.

Marketz lässt auch noch ein wenig Zukunftsmusik anklingen: Wir möchten vor allem die Arbeit in den Pfarren forcieren, denn hier sind die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, zu Hause. "Wenn Menschen zu uns kommen, sind sie oft schon ausgegrenzt. In der Pfarre kann viel gemacht werden, damit dies gar nicht erst geschieht", ist Marketz überzeugt und verweist an die PfarrCaritas, die in der Pfarre Welzenegg mit Dezember 2014 unter Stadtpfarrer und Flüchtlingsseelsorger Mag. Dr. Peter Deibler begonnen wurde. Deibler, der sehr engagiert in seiner Pfarre ist, unterstreicht wie wichtig "Caritas-Filialen" in den Pfarren sind.
Ursula Madritsch, PfarrCaritas-Verantwortliche, richtet sich an die 336 Pfarren und ihre Grundbeauftragten für den Dienst am Nächsten, mit offenen Augen und sehendem Herzen durch die eigene Gemeinde zu gehen. "Unser Ziel ist es, gemeinsam ein solidarisches Kärnten zu fördern."

Auch die Notanlaufstelle für ArmutsmigrantInnen, die im Vorjahr heftig diskutiert wurde, hat das neue Leitungsteam nicht ad acta gelegt: "Das Projekt haben wir keinesfalls vergessen, aber es braucht auch den Willen der Stadt und des Landes, um so ein Projekt umzusetzen."