Wenn das Leben kraftlos wird

02.11.15 / 17:30

Die Caritas Kärnten freut sich über 25 neue Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Stellvertretend für die insgesamt 85 Ehrenamtlichen im Land spricht Irmgard Janach aus Treffen über ihre Beweggründe, sich in der Hospizbewegung zu engagieren.

Wenn sich Menschen auf den letzten Weg begeben und das Leben kraftlos wird, kann die Begleiterin oft nur mehr das eine tun: Beim Sterbebett sitzen, die Hand der Abschiednehmenden halten und mit ihr gemeinsam schweigen. Manchmal erreicht man die Fortgehende dann noch mit einem vertrauten Lied, das man summt.

Irmgard Janach (65) aus Treffen bei Villach hat das auch schon einmal so erlebt. Die pensionierte Hauptschullehrerin durfte im Hospizpraktikum zwei unheilbar Kranke in ihrer letzten Lebensphase begleiten. In einem Fall handelte es sich um eine junge Frau. ,,Sie hat sich im Zuge der Begleitung noch einmal ins Leben aufgemacht und nach zwei Monaten im Pflegeheim zwei weitere Monate zu Hause gut gelebt. Für mich war es unglaublich, welche Kraft, welchen Lebenswillen diese Frau entwickelt hat. Sie hat mir selbst viel Kraft gegeben“, erzählt Irmgard Janach, die verheiratet ist, einen Sohn und ein kleines Enkelkind hat.

Irmgard hat mit 24 Frauen und Männern aus ganz Kärnten den achtmonatigen Ausbildungslehrgang zur mobilen Hospizbegleiterin der Caritas Kärnten absolviert und sich Wissen zu den Themen Sterbebegleitung, Demenz, Validation und Trauerarbeit angeeignet. ,,Die Ausbildung war eine der besten, die ich in meinem Leben genossen habe. Das hatte sehr viel mit der Gruppe zu tun, die ich als sehr dicht und tiefgehend erfahren habe.“ Zudem seien die Referenten sehr kompetent und den Teilnehmern gegenüber achtsam gewesen.

Irmgards Engagement in der Hospizbewegung ging eine Krebserkrankung im Jahr 2003 und danach ein langer Prozess der Neuorientierung voraus: ,,In der Nacht nach der Diagnose bin ich gebeutelt von Angst und Verzweiflung aufgewacht. Da ist aus meinem Inneren der Satz aufgestiegen: Du bist mehr als dein Körper. Ich bin sofort völlig ruhig geworden und habe mich getröstet und geborgen gefühlt.“ Der Satz ist geblieben. Und Irmgard hat sich auf die Suche nach dem ,,Mehr“ begeben, das ,,unser aller Leben“ ausmacht. Die Begegnung mit spirituellen Wegbegleitern hat sie die innere Quelle finden lassen, die ihr ,,unendlich viel Kraft“ gibt. Es entstand der Wunsch, Zeit und Leben mit anderen zu teilen.

85 ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter der Caritas schenken zurzeit in ganz Kärnten schwerst- und sterbenskranken Menschen und deren Verwandten im häuslichen Bereich, in Akut- und Chronischen Stationen von Spitälern und Pflegeheimen Zeit und Aufmerksamkeit. 2005 hat die Caritas Kärnten mit der Ausbildung der Freiwilligen begonnen. ,,Weil die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen eine gesellschaftliche Verantwortung und christliche Pflicht ist“, wie Caritas-Direktor Josef Marketz betont.

Eva Maria Wernig, die in der Caritas Kärnten den mobilen Hospizdienst leitet, ist in der Beziehung zwischen Hospizmitarbeitern und zu Betreuenden eine (vor-)urteilsfreie Begegnung wichtig. Es gelte, den zu begleitenden Menschen so anzunehmen, wie er ist. Wernig: ,,Das bedeutet, dass wir den Sterbenden nichts mehr beibringen und ihn auch nicht bekehren oder missionieren wollen.“ Was zähle, seien einzig seine Wünsche. ,,Es darf einmal genug sein. Wenn er gehen möchte, ist das zu akzeptieren“, spricht sich Wernig gegen die ,,unnötige, quälende“ Verlängerung des Lebens aus. ,,Wenn ein Sterbender Signale setzt, dass er nicht mehr möchte, ist es menschlich, ihn gehen zu lassen.“

Um Menschen auf den letzten Metern des Lebens tatsächlich begleiten zu können, ist es unerlässlich, auf die eigenen Grenzen zu achten. Irmgard Janachs Kraftquellen dabei sind die tägliche Meditation, die Natur und das Gehen nach ,,meinem persönlichen Rhythmus“. Sie wird weiterhin für Sterbende da sein. ,,Ich will ein Teil des Stromes werden, der aus der verborgenen Quelle fließt und das weitergeben, was mir geschenkt wird. Das ist Zeit und Leben in Fülle.“

Info:

Anfang Dezember startet ein neuer Ausbildungslehrgang zur mobilen Hospizbegleitung, Infos und Anmeldung bei Eva Maria Wernig: 0664/806488-114 oder e.wernig@caritas-kaernten.at

  • Caritas-Direktor Bischofsvikar Dr. Josef Marketz (links) und Eva Maria Wernig, Leiterin des Mobilen Hospizdienstes (1. Reihe vorne links) mit den Neuen.

    Caritas-Direktor Bischofsvikar Dr. Josef Marketz (links) und Eva Maria Wernig, Leiterin des Mobilen Hospizdienstes (1. Reihe vorne links) mit den Neuen.

  • Irmgard Janach bei der Zertifikatsverleihung.

    Irmgard Janach bei der Zertifikatsverleihung.

  • Elisabeth Goritschnig an der Harfe stimmte mit ihren Klängen auf das Thema ein.

    Elisabeth Goritschnig an der Harfe stimmte mit ihren Klängen auf das Thema ein.

  • Festgäste und Teilnehmer bei der Feier im Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje.

    Festgäste und Teilnehmer bei der Feier im Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje.

  • Caritas- Direktor Josef Marketz mit der Leiterin des Mobilen Hospizdienstes, Eva Maria Wernig, und dem Ehepaar Janach.

    Caritas- Direktor Josef Marketz mit der Leiterin des Mobilen Hospizdienstes, Eva Maria Wernig, und dem Ehepaar Janach.