Als in Friaul die Erde bebte

02.05.16 / 10:48

Dr. Omelko sitzt auf einer Couch, hinter ihm sind mehrere Plakate der Caritas zu sehen.

Am 6. Mai 2016 jährt sich das Erdbeben von Friaul/Italien zum 40. Mal. Der ehemalige Caritasdirektor Dr. Viktor Omelko über die Naturkatastrophe, das große Engagement Freiwilliger und das schwere Beben im September.

Nur eine Minute lang dauerten am Donnerstag, den 6. Mai 1976, um 20.59 Uhr die Erdstöße in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Doch die Folgen waren verheerend – 989 Menschen kamen ums Leben, 1000 wurden schwer verletzt. 80.000 obdachlose Männer, Frauen und Kinder standen zutiefst verängstigt vor den Trümmern ihrer Existenz. Gemona und die Nachbargemeinden Venzone und Osoppo wurden schwer zerstört. Berühmte Kunstschätze gingen mit einem Schlag verloren. Dr. Viktor Omelko, der der Caritas Kärnten zu diesem Zeitpunkt das zweite Jahr als Direktor vorstand, erinnert sich an den Tag vor 40 Jahren als wäre es gestern gewesen. ,,Ich saß gerade bei einer Caritas-Direktorenkonferenz in Neustift bei Brixen in Südtirol. Wenngleich gedämpft, hat die Erde auch hier gebebt“, schildert der heute 81-Jährige.

Gleich am nächsten Tag – als man nach ersten Medienberichten das Ausmaß der Naturkatastrophe erahnen konnte – habe die Direktorenkonferenz beschlossen, eine Million (damals noch) Schilling (rund 72.700 Euro) als Soforthilfsmaßnahme fließen zu lassen. Als er, Omelko, dann auf Wunsch des Caritas-Generalsekreteriats – fünf Tage später zu einem Lokalaugenschein mit einem Dolmetscher nach Friaul aufbrach, war die Lage ,,zutiefst bedrückend. Überall waren kaputte Häuser, die Menschen schwer verzweifelt“. Aber die Katastrophen-Ersthilfe habe damals durch die italienischen Behörden mit Unterstützung von in- und ausländischen Hilfsorganisationen schon gegriffen. ,,Die meisten Toten waren geborgen. Zelte sind gestanden. Die Verteilung von Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten war im vollen Gang“, erinnert sich der ehemalige Caritasdirektor.

Omelko war bald klar, was am dringendsten gebraucht würde: neuer Wohnraum. ,,Zelte waren dafür auf Dauer nicht geeignet.“ Das hat er in einem solchen nach Beratungen über Hilfsmaßnahmen festgestellt: ,,Innerhalb kürzester Zeit war man in Schweiß gebadet.“ So setzte Omelko in einem ersten Schritt mit tatkräftiger Unterstützung von Ing. Johann Mitterer und vielen Ehrenamtlichen auf den Umbau von ausrangierten ÖBB-Lasten- zu gemütlichen Wohnwaggons. Parallel dazu arbeiteten zwei äußerst engagierte Ehrenamtliche – (der mittlerweile verstorbene) Ing. Franz Jesche und DI. Anton Smolak, zwei Beschäftigte der damaligen ÖDK – an einer Wohnbau-Dauerlösung.

,,Damals erlebte Österreich den ersten Boom der langlebigen Fertighäuser, die uns als Vorbild gedient haben.“ Auch wenn Solidariät und Hilfsbereitschaft der Kärntner Bevölkerung sehr groß gewesen seien, saß Omelko damals tagelang am Telefon ,,um die Menschen für das Projekt und das Spenden zu begeistern.“ Anno dazumal bestand die Caritas-Zentrale nur aus fünf fixen Mitarbeitern. ,,Wir mussten uns in der Ära Kreisky, als der Sozialstaat seine Blüte erfuhr, unseren Platz als Hilfsorganisation erst erarbeiten.“ Das gelang! Das Hilfsprogramm, das die österreichische Caritas – die Bundesregierung hat die Spenden verdoppelt – für Friaul durchgeführt hat, betrug etwa 81 Millionen Schilling (rund 5,9 Millionen Euro) und beinhaltete den Bau von 256 Häusern, eines Kindergartens und von zwei Altersheimen. (Der leider auch schon verstorbene) Peter Quendler hat als freiwilliger Mitarbeiter intensive Arbeit in und für Friaul geleistet.

Vor Ort hieß das Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. ,,Das Projekt, das eine Zeitlang wegen der Solidaritätsbeiträge der Nutznießer für den weiteren Aufbau Friauls in der Kritik stand, war letztlich akzeptiert, sowohl von den Empfängern als auch den Spendern. Das hat uns alle beflügelt“, resümiert Omelko.

Bei den Gedenkfeiern zum 40. Jahrestag, zu denen er eingeladen ist, wird er persönlich nicht dabei sein. Der Priester in Ruhe wird aber ,,in Erinnerung an diese Zeit und ihre Menschen“ einen Gottesdienst im Franziskusheim in Klagenfurt halten. Gut möglich, dass er dabei auch an das schlimme Beben am 11. September 1976 in Magnagno denken wird. Da hatten er und seine Vertrauten das Gemeindehaus gerade verlassen, als es anfing zu ,,scheppern, die Gläser in der benachbarten Gaststätte sind zerborsten. Das Gemeindehaus ist zusammengebrochen. Man hat zuschauen können, wie es stirbt“.

  • Dr. Viktor Omelko (2. von links): ,,Zelte waren als Wohnraum auf Dauer nicht geeignet. Innerhalb kürzester Zeit war man in Schweiß gebadet.“

    Dr. Viktor Omelko (2. von links): ,,Zelte waren als Wohnraum auf Dauer nicht geeignet. Innerhalb kürzester Zeit war man in Schweiß gebadet.“

  • Der ehemalige Fahrer Franz Grießnig (†) (2. von links) mit Omelko und Peter Quendler (†) (ganz rechts)

    Der ehemalige Fahrer Franz Grießnig (†) (2. von links) mit Omelko und Peter Quendler (†) (ganz rechts)

  • Die Verantwortlichen für die Auswahl der Familien und die Abwicklung der Hilfe in Friaul: Ing. Franz Jesche (†) (links), DI Anton Smolak mit Omelko (ganz rechts)

    Die Verantwortlichen für die Auswahl der Familien und die Abwicklung der Hilfe in Friaul: Ing. Franz Jesche (†) (links), DI Anton Smolak mit Omelko (ganz rechts)

  • Dr. Omelko erinnert sich an das Erdbeben und die Hilfe vor Ort zurück

    Dr. Omelko erinnert sich an das Erdbeben und die Hilfe vor Ort zurück

  • Dr. Viktor Omelko sitzt mit Helfern vor Ort in einem Zelt.
  • Franz Grießnig steht mit Omelko und Peter Quender vor einem Lastwagen mit Hilfsgütern.
  • Die Verantwortlichen für die Auswahl der Familien sitzen zusammen und beratschlagen sich.
  • Dr. Omelko sitzt auf einer Couch, hinter ihm sind mehrere Plakate der Caritas zu sehen.