Ein Freudentanz zum Geburtstag

12.05.16 / 12:06

Das 30-Jahr-Jubiläum der Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) des Kärntner Caritasverbandes in Klagenfurt wurde mit einem Flashmob begangen. Damals wie heute gilt: Alter und Beeinträchtigung sind nicht mit Krankheit gleichzusetzen.

Als 1985 die Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) in Klagenfurt aufgesperrt hat, war Sigrid Kronhofer Schülerin der ersten Stunde. ,,Wir haben nicht nur für unsere spätere Arbeit, sondern in Sachen Persönlichkeitsentwicklung auch viel für unser Leben gelernt.“ Bei dem Beruf der Altenhelferin, den sie nach Abschluss der Schule ergriffen hat, handelte es sich damals um ,,ein absolut neues Berufsbild. Wir waren Pioniere“.

Die katholische Privatschule, die vom Kärntner Caritasverband als Schulerhalter getragen und durch Schulgeldbeiträge finanziert wird, startete mit zwei Klassen und 47 Schülerinnen und Schülern. Heute werden in 50 Klassen fast 1200 (junge) Frauen und Männer unterrichtet. Die Zahl der AbsolventInnen erreicht bald die 5000er-Größe. Diese rasante Entwicklung und das Jubiläum der Schule haben deren Schülerinnen und Schüler mit einem Flashmob – quasi einem Freudentanz um den Lindwurm auf dem Neuen Platz – gefeiert. Die zum 30. Geburtstag geplant gewesene Veranstaltung im Herbst 2015 musste ja noch wegen Schlechtwetters abgesagt werden. Diesmal tanzte man mit Regenschirmen. Caritasdirektor Josef Marketz und die kaufmännische Geschäftsführerin Marion Fercher machten bei dem Spaß mit.

Der Leitsatz der SOB ist in den 30 Jahren gleich geblieben: Das Alter ist nicht mit Krankheit gleichzusetzen und geistig oder körperlich beeinträchtigt sein schon gar nicht. ,,Dem Rechnung tragend, ging es bei der damals neu konzipierten Ausbildung darum, nicht bloß pflegerische Kompetenzen zu vermitteln, sondern ganzheitliche Formen der Begleitung und Betreuung zu entwickeln“, erklärt Schuldirektor Wilfried Hude. Das wurde letztendlich in einem Vertrag aller Bundesländer mit der Republik Österreich gesetzlich festgelegt.

Wenn man heute in Kärnten eine Ausbildung zum/zur Fach-SozialbetreuerIn oder weiter zum/zur diplomierten SozialbetreuerIn für die Alten- oder Behindertenarbeit machen möchte, kann man in Klagenfurt, Villach, Spittal/Drau (Drauhofen), St. Andrä im Lavanttal oder in Treibach/Althofen zur Schule gehen.

Die ehemalige Schülerin Kronhofer unterrichtet heute in der SOB unter anderem Validation nach Naomi Feil: ,,Wir bringen den Schülern bei, dem Menschen, egal wie alt oder dement er ist, mit einem hohen Maß an Wertschätzung, Respekt und Einfühlungsvermögen zu begegnen.“ Validation bedeutet, grob gesagt, das Eintauchen in die Welt des/der Verwirrten. Kronhofer: ,,Das baut Vertrauen auf, führt zu Sicherheit und ermöglicht, viele pflegerische, alltägliche Maßnahmen leichter durchzuführen.“

Weitere Fotos vom Flashmob finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Das sagen Studierende

Marion Kilzer-Ruppnig (41), Schülerin in der zweiten Klasse Berufstätigenform-Behindertenbegleitung: ,,In meinem Hauptberuf bin ich Floristin mit Meisterprüfung. Seit zwölf Jahren arbeite ich am Wurzerhof im dynamisch-biologischen Landbau. Jetzt mache ich die Ausbildung, um dort auch mit den beeinträchtigten Menschen gut arbeiten zu können.“

Gerhard Weghofer (50), Schüler in der zweiten Klasse Tagesform Altenarbeit: ,,Erlernt habe ich den Beruf des Optikers. Ich habe auch die Meisterprüfung gemacht. Nach 20 Jahren in diesem Beruf möchte ich jetzt etwas Neues lernen. Ich freue mich schon auf die abschließende Prüfung, um dann endlich mit alten Menschen arbeiten zu können.“

Nadine Reiber (20), Schülerin der ersten Klasse Tagesform Behindertenbegleitung: ,,Nach der Matura am BORG in Wolfsberg habe ich mir überlegt, welche Berufsausbildung ich machen könnte. Bei einem integrativen Tanzprojekt habe ich meine Liebe für die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen entdeckt. Diese Arbeit möchte ich gerne in der Zukunft zu meinem Beruf machen.“

Der Weg der AbsolventInnen

Sigrid Kronhofer, SOB-Schülerin der ersten Stunde (1985-87). Gleich nach der Ausbildung ist sie zur AVS gegangen; hat dort bis 2006 in der mobilen Pflege und eine Zeit lang als Betriebsrätin gearbeitet. Seit 1998 ist sie an der SOB Lehrbeauftragte für Validation, seit mehreren Jahren arbeitet sie auch als Lehrerin für Berufskunde und Praxisbegleitung. Als Trainerin für die Methode der Validation nach Naomi Feil ist Kronhofer vielen SeminarteilnehmerInnen außerhalb der Schule bekannt.

Karl Heinz Tschuchnig, schon während der Schulzeit (1987- 89) war er treibende Kraft für die Gründung eines Absolventenvereines, dessen erster Vorsitzender er zwei Jahre war. Er ging dann – wie einige Leute seiner Klasse – nach München, um dort als Altenpfleger zu arbeiten. Er ist bis heute dort geblieben, hat sich facheinschlägig weitergebildet und ist Altentherapeut geworden. Seit 15 Jahren leitet er die Therapiestation in einem riesigen Pflegeheim in München.

Mag. Sonja Pipal-Thaler, hat nach ihrer SOB-Ausbildung (1995-1998) zehn Jahre als diplomierte Behindertenpädagogin an der Sonderschule für Schwerstbehinderte in Klagenfurt/Waidmannsdorf gearbeitet und das Studium der Sozial-und Integrationspädagogik (Uni Klagenfurt) abgeschlossen. Da sie schon als Schülerin sehr engagiert war und Direktor Hude 2008 für die Behindertenbegleitung berufserfahrene MitarbeiterInnen gesucht hat, war die Entscheidung für sie klar und schnell.