Segnung und Tag der offenen Tür der Wohnungslosentagesstätte Eggerheim

16.12.16 / 13:41

Foto: Helge Bauer

Am Freitag, 16. Dezember, wurde das rundum erneuerte Eggerheim in Klagenfurt von Caritasdirektor Josef Marketz mit einer Feier in den Mittelpunkt gerückt. Diözesanbischof Alois Schwarz segnete die Einrichtung, die für ihn ein ,,wichtiger Ort für Menschen in Bedrängnis ist“. Politische Vertreter und Unterstützer kamen ebenfalls zum Tag der offenen Tür, der die Möglichkeit bot, die sanierten Räumlichkeiten zu besichtigen. Für Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz ist das Eggerheim eine optimale ,,Ergänzung zum Obdachlosenasyl“. Sie brachte ein frühes Weihnachtsgeschenk mit: ,,Der Hilferuf ist angekommen“, kündigte sie die 50:50-Prozent-Finanzierung im Umfang von 15.000 Euro für lange Öffnungszeiten im Winter auch am Wochenende durch Stadt und Land an. Caritasdirektor Marketz dankte herzlich.

Informieren konnten sich beim Tag der offenen Tür alle Interessierten – auch über die Situation der Wohnungslosen, so etwa über Leo Quantschnig (65).

,,Das Eggerheim ist meine Heimat“, erzählte Leo. Er hat vor Jahren alles verloren, seine Beziehung, seinen Job, seine Wohnung. ,,Ich schlaf´ in der Nacht in einer Tiefgarage“. Seit mehr als 20 Jahren ist der gelernte Forstarbeiter Klient im Eggerheim in der Kaufmanngasse 6 in Klagenfurt. Hier bekommt er warme Mahlzeiten, Lebensmittel in der LEA (Lebensmittelausgabe) und Bekleidungsgutscheine, kann sich duschen und seine Wäsche waschen. Hier hat er seine Postadresse, trifft sich mit anderen Menschen und erfährt Beratung. Leo: ,,Sobald das Eggerheim aufsperrt, bin ich da.“

Das Eggerheim gibt es seit 33 Jahren. In den vergangenen Monaten wurde es umfangreich saniert und barrierefrei gemacht. Somit steht das psychosoziale Angebot nun allen Menschen offen. Durch die Erneuerung von Leitungen und EDV ist die Wohnungssuche für und mit den BesucherInnen jetzt auch am PC möglich. Die Basisversorgung mit Lebensmitteln und Sanitäranlagen wird im untersten Stock und die psychosoziale Arbeit im mittleren Stock angeboten. ,,Durch den Umbau haben wir es geschafft, mit Blick auf die Menschen, die zu uns kommen, und mit Blick auf die MitarbeiterInnen einen Rahmen zu schaffen, in dem professionell und gut gearbeitet werden kann“, freute sich Menschen in Not-Bereichsleiter Christian Eile. Er kündigte auch inhaltliche Neuerungen an. So wolle man die Menschen dazu einladen, sich mit Workshops, Musik, Handarbeiten oder Basteleien zu beschäftigen anstatt ihren Tag auf der Straße zu verbringen.

Auch um dieses Angebot unterbreiten zu können, war die Sanierung notwendig. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 300.000 Euro. Zu einem beträchtlichen Teil hat sie Ignazio Vok getragen. Er ist in Slowenien geboren, hat die italienische Staatsbürgerschaft und seit 40 Jahren einen Wohnsitz in den Kärntner Bergen. Die Caritas mit Direktor Marketz an der Spitze ist Vok aus ganzem Herzen dankbar. Der Spender sagte: ,,Mit meinem Beitrag fürs Eggerheim habe ich nicht irgendwelche lauten, repräsentativen Kultur- oder Kunstzwecke unterstützt, sondern einer hilflosen, sozialen Schicht geholfen. Und es ist gut so.“ Auch der Bischof dankte dem Großspender und nannte ihn ein Vorbild, das auch andere ermutigen könne, etwas weiterzugeben: ,,Wer bei Gott eintaucht, taucht bei den Menschen wieder auf.“

2015 wurden rund 620 Menschen betreut, die nach Krankheit, Scheidung und/oder Arbeitsplatzverlust den Halt in der Gesellschaft verloren haben. Sie kamen fast 20.000 mal ins Eggerheim. Das entspricht 55 Kontakten täglich an 365 Tagen im Jahr. ,,Wohnungslosigkeit ist ein überwiegend männliches Phänomen“, weiß Marlene Zwanzger als Leiterin des Eggerheimes. 85 Prozent der Hilfesuchenden sind männlich. ,,Der Großteil ist älter als 45 Jahre. Es betrübt uns aber zutiefst, dass der Anteil der jüngeren Menschen in Not in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, dass er steigt.“ So registrierte man im Eggerheim im ersten Halbjahr 2016 eine massive Zunahme der Menschen mit Drogenerkrankungen.

Caritasdirektor Marketz betonte einmal mehr, dass ,,jeder Mensch an Würde gleich ist“. Das Eggerheim bezeichnete er als ,,Oase mit Garten“. Das „Wie“ in der Begleitung von Menschen, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt würden, wäre von besonderer Bedeutung. „Wer das Millieu wechseln kann, passt sich auch dem Neuen an.“

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Fotos: Helge Bauer