,,Wie ein Sonnenstrahl im Nebel“

03.03.17 / 11:01

Foto: Daniel Gollner

Im Caritas-Altenwohn- und Pflegeheim ,,Haus Michael“ in Obervellach, in dem man positive Erfahrungen mit dem Besuchsdienst hat, werden Freiwillige gesucht. Ausbildung startet Ende März.

Sie unterhalten sich mit den alten und oft pflegebedürftigen Menschen, trinken mit ihnen Kaffee, frönen dem gemeinsamen Kartenspiel und gehen mit ihnen spazieren: die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Besuchsdienstes. Vier Frauen von ,,Familija Familienforum Mölltal“ bringen auf diese Weise Bewohnerinnen und Bewohnern des Caritas-Altenwohn- und Pflegeheimes in Obervellach ein Stück Lebensfreude in den Alltag.

,,Viele unserer 42 KlientInnen haben keine Angehörigen mehr oder sie wohnen weit weg. Diese Männer und Frauen freuen sich besonders über den Besuch des freiwilligen Besuchsdienstes“, sagt Pflegedienstleiterin Evelyn Glantschnig. Das ,,Haus Michael“ hat damit nur positive Erfahrungen gemacht: ,,So ein Besuch ist wie ein kleiner Sonnenstrahl im Nebel. Die BewohnerInnen werden dadurch ausgeglichener, ruhiger und nehmen wieder mehr am Leben teil.“

Pflegepersonal steht mit Rat zur Seite Glantschnig lädt daher interessierte Frauen und Männer herzlich ein, sich als Freiwillige im ,,Haus Michael“ zu engagieren. Das Pflegepersonal steht ihnen bei ihren Besuchen mit Auskünften über Gesundheitszustand, Vorlieben und Abneigung der Bewohner sowie mit Ratschlägen hilfreich zur Seite.

Um Menschen in einem Pflegeheim oder auch im häuslichen Bereich gut begleiten zu können, startet die Caritas Kärnten am 31. März 2017 auch eine –drei Wochenendmodule umfassende – Ausbildung zum ,,Mobilen Besuchsdienst“ im ,,Haus Michael“. Heidi Stockenbojer, Assistentin vom Mobilen Hospiz und Besuchsdienst der Caritas, begleitet den Kurs. Der gibt Antworten auf spirituelle und ethische Fragen zu Krankheit, Sterben und Tod ebenso wie er die TeilnehmerInnen im Umgang mit desorientierten Menschen schult und ihnen praktische Erfahrungen mit Kranken und Pflegebedürftigen ermöglicht. Stockenbojer: ,,Wir geben den KursteilnehmerInnen quasi einen ,,Werkzeugkoffer“ an Wissen und (Selbst-)Erfahrung mit, der ihnen Sicherheit und Stabilität in ihrer späteren Tätigkeit als freiwillige MitarbeiterInnen bietet.“ Nähere Kursinformationen und Anmeldung: Heidi Stockenbojer h.stockenbojer(at)caritas-kaernten.at; Telefon: 0676/61 34 750.

INTERVIEW mit Heidi Stockenbojer

Die Caritas bietet mit Beginn 31. März 2017 eine Ausbildung zur Begleitung von Menschen in Pflegeheimen und im häuslichen Bereich an. Warum?
STOCKENBOJER: Weil es einen großen Bedarf für einen Besuchsdienst gibt. Die Menschen leben heute länger, werden älter. Sie haben viel Zeit, aber kaum Ansprache. Denn die Großfamilien gibt es fast nicht mehr. Die Kinder sind oft auswärts bzw. abgewandert. Es mangelt an sozialen Kontakten.

Wenn ich mich freiwillig beim Besuchsdienst engagieren möchte, was muss ich mitbringen?
STOCKENBOJER: Einfühlungsvermögen, Zeit und die Bereitschaft des Zuhörens. Das fachliche Rüstzeug und die praktische Erfahrung im Umgang mit alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen erhalten Interessierte im Rahmen des Kurses im ,,Haus Michael“. Der besteht aus drei Wochenendmodulen und einem 20-stündigen Praktikum in einem Pflegeheim, Krankenhaus oder im häuslichen Bereich.

Was sind Kursinhalte?
STOCKENBOJER:Wir vermitteln den TeilnehmerInnen Wissen über den richtigen Umgang mit desorientierten Menschen und beschäftigen uns mit der Validation als geeigneter Kommunikationsform. Wir setzen uns mit spirituellen und ethischen Fragen zu Krankheit, Sterben wie Tod auseinander und beleuchten die Themen Trauerprozess und Trauerbewältigung. Ziel ist es, den BegleiterInnen quasi einen „Werkzeugkoffer“ an Wissen und (Selbst-)Erfahrung mitzugeben, der ihnen Sicherheit und Stabilität in ihrer späteren Tätigkeit als freiwillige MitarbeiterInnen gibt.