Eine Reise in viele Welten

24.06.17 / 13:46

Kenia ist ein Land der Gegensätze. Reichtum und Armut liegen nahe beieinander, die ungleiche Verteilung wird nun für die Armen aber lebensbedrohlich. Denn im Norden des Landes bleibt der lebensspendende Regen aus. Kärntens Caritasdirektor Josef Marketz machte sich auf den Weg und sich selbst ein Bild. Trotz akuter Hungerkatastrophe kommt er mit Träumen und Hoffnungen zurück, „weil die Hilfe wirkt“.

Spätestens auf der Fahrt in die Dörfer in der Region Marsabit wird klar, die Berichte über die drohende Hungersnot sind nicht erfunden. Die Kamelskelette auf der Fahrt über den aufgerissenen, weil völlig ausgetrockneten Boden, sind erste, untrügliche Anzeichen.

Kärntens Caritasdirektor Josef Marketz kannte Schilderungen über die Situation bereits vor Antritt seiner Reise. Denn seit vielen Jahren ist die Caritas Kärnten in den Ländern Kenia und Uganda mit Ernährungs- und Ausbildungsprojekten erfolgreich tätig, das Netzwerk ist gut, der Austausch lebendig.

Dennoch kann man sich nicht vorbereiten auf die Schwere und Bitterkeit, welche solch eine Situation von Hungersnot und Überlebenssorge mit sich bringen: „Ich führte Gespräche mit zwei Familien, die in ihren runden Häusern, mitten in der kahlen Gegend wohnen. Beide Familien besaßen 600 Schafe und Ziegen, davon sind der einen 60, der anderen 40 Ziegen geblieben. Jetzt haben sie keine Arbeit und bald auch kein Essen mehr“, schildert Marketz. Und: „Dies trifft vor allem die Alten und die Kinder, die bereits so geschwächt sind, dass sie das Hüttenzelt nicht mehr verlassen können.“

Für diese Perspektivlosigkeit finden sich keine Worte. Der nächste Regen in der Region wird erst für Oktober/November erwartet. „Die Menschen sind sich ihrer dramatischen Situation bewusst, sie sind ratlos und warten hilflos ab, was die Zukunft bringt. Das ist schlimm“, sagt Marketz.

Akute Hilfe und Projektarbeit

Die Menschen brauchen jetzt dringend Überbrückungshilfe. Dafür setzt sich die Caritas ein und ruft aktuell um Spenden für die Hunger-Nothilfe auf. „Und dann muss das Naheliegende versucht werden“, lässt Josef Marketz die Hoffnung auf eine Zukunft in dieser Region keimen. Er erinnert an die letzte Dürre vor fünf Jahren: „Die österreichische Caritas hat einige Brunnen graben lassen, 300 Meter tief und sie funktionieren immer noch. Das sind nachhaltige Investitionen, die über Dürrezeiten helfen und es den Menschen erlauben, in ihrer Heimat zu bleiben. Wir sind am richtigen Weg!“

Neben dem Wasser setzt die Caritas auf Bildung. Zusammen mit der Partner-NGO „Pacida“ wurde in eine große Schule mit angeschlossenem Heim in Burgabo investiert. Kinder von Viehbauern, die nach wie vor Nomaden sind, besuchen sie. Die täglichen Mahlzeiten, aber auch ihre Ausbildung rüstet sie für eine Zukunft ohne Hunger, denn der immer häufiger ausbleibende Regen macht die Viehwirtschaft zu einer unsicheren Perspektive. Die Schule liegt an dem neuen Highway. Die Straßenverbindung zwischen Alexandria und Johannesburg kann eine Chance auf industrielle Ansiedelungen sein. „Dann werden gut ausgebildete Arbeitskräfte gebraucht“, hofft Marketz. „Die akute Hunger-Situation erfordert sofortiges Handeln. Die bewährte, erfolgreiche und nachhaltige Projektarbeit der Caritas ist darüber hinaus eine echte Chance auf Zukunft für die Menschen vor Ort.“

Schon jetzt machen kleinere und größere Initiativen in der Region Mut, den Kampf gegen den Hunger anzutreten. Ein „fahrendes Spital“ etwa oder das pfarrliche „Health-Center“ mit einer „Baby-feed Station“. Wie einfach es wäre, den Hunger zu bekämpfen, zeigen diese Einrichtungen täglich erfolgreich vor. „Die Hilfe wirkt und kommt an. Wir alle gemeinsam können den Menschen in Kenia und in den anderen betroffenen Ländern Ostafrikas über diese Dürre hinweghelfen, ihr Überleben ermöglichen und erleichtern.“

Bei der Verteilung von Nahrung und anderen Dingen durch die Hilfsorganisationen beeindruckt vor allem eines: In der Region Marsabit herrscht keine Konkurrenz zwischen Christen, Muslimen oder Anhängern der traditionellen Religion. „Weil es hier wirklich um Leben oder Tod aller Menschen geht“, erklärt Marketz, „da wird die Solidarität höher bewertet als Unterschiede und Dissonanzen.“

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