"Für Betroffene gibt es Hilfe"

01.09.17 / 08:11

WELTSUIZIDPRÄVENTIONSTAG AM 10. 9. 2017: Appell zum Reden der Telefonseelsorge Kärnten anlässlich des Weltsuizidpräventionstages am 10. September 2017: Die Beratungsstelle der Caritas Kärnten ist unter der kostenlosen Nummer 142 rund um die Uhr anonym Ansprechpartnerin für Menschen in Krisen. Neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen werden gesucht und ab Oktober ausgebildet.

Jakob M. (Name geändert) hat im Jahr 2000 versucht, mit einem Sprung von einer Brücke Selbstmord zu verüben. Der Mann, der seit seinem 17. Lebensjahr an einer schweren Depression erkrankt ist, überlebte. Heute ist er froh darüber. An seiner Krankheit leidet er zwar noch immer, "aber ich habe inzwischen gelernt, damit zu leben".  Außerdem hat Jakob erfahren, dass es für viele Menschen unglaublich hilfreich ist, seine Geschichte zu hören und "daraus zu lernen". Eines weiß er heute mit Sicherheit: "Für Betroffene gibt es Hilfe".

Das hat vor 64 Jahren schon der britische Pastor Chad Varah in einer Zeitung inseriert: "Bevor Sie sich das Leben nehmen, rufen Sie mich an", hieß es in der Anzeige. Dieser bewegende Satz gilt als Ursprung der TelefonSeelsorge, die weltweit in 307 Beratungsstellen suizidgefährdeten Menschen angeführtes Hilfsangebot unterbreitet. Unter der kostenfreien Telefonnummer 142 steht auch die TelefonSeelsorge Kärnten, die zur Gänze von der Caritas Kärnten getragen wird, seit 40 Jahren täglich im Dienste der Suizidprävention.

 


"Suizid ist leider nach wie vor ein Tabuthema. Die Selbstmordrate ist viel zu hoch. Da muss sich etwas ändern", ist Gudrun Rochla, die stellvertretende Leiterin der TelefonSeelsorge Kärnten, alarmiert. 119 Menschen haben sich laut Statistik Austria in Kärnten im Jahr 2016 das Leben genommen. "Auch wenn das im Vergleich zu 2015 um neun Suizide weniger sind, sind es um 119 zuviel", sagt Rochla anlässlich des Weltsuizidpräventionstages am 10. September 2017.

Die TelefeonSeelsorge ist rund um die Uhr Ansprechpartnerin für Hilfesuchende in schwierigen Lebenssituationen und in Krisen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören zu, beraten und geben wichtige Informationen über Hilfsangebote weiter. Die Anonymität ist bei den Anfragen via Telefon, E-Mail oder Chatberatung gesichert. 

Rochla weiß: "Jeder kann helfen. Der Mut, mit anderen über seine Suizidgedanken zu sprechen, kann Leben retten! Reden hilft!" Sie rät Angehörigen von Betroffenen, nicht wegzuschauen, sondern anzusprechen, was man gehört habe oder vermute. Denn: "Schon allein die Ermutigung, Hilfe anzunehmen, kann Leben retten.“  

Kostenfreier, berufsbegleitender Ausbildungskurs

65 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich zurzeit bei der Telefonseelsorge Kärnten. "Sie arbeiten im Durchschnitt 9,8 Jahre bei uns mit“, dankt Rochla allen Freiwilligen für ihren großartigen Einsatz und lädt Interessierte zur Mitarbeit ein. Voraussichtlich am 18. Oktober 2017 beginnt wieder ein kostenloser, berufsbegleitender Ausbildungskurs für ehrenamtliche MitarbeiterInnen.
Er gibt engagierten, einfühlsamen Menschen die Möglichkeit, Beratungskompetenz für diese anspruchsvolle, ehrenamtliche Tätigkeit zu erwerben. Die Grundausbildung dauert ungefähr ein halbes Jahr, die Teilnehmer treffen sich einmal in der Woche jeweils am Mittwochabend. Kursort ist Klagenfurt. Die Tätigkeit bei der Telefonseelsorge kann als Praktikum für Ausbildungen im psychosozialen Bereich anerkannt werden.  

Interessenten für diesen kostenlosen Kurs melden sich vormittags bei der Telefonseelsorge Kärnten unter der Telefonnummer 0463 – 55 5 60 DW 23 oder DW 33 oder schreiben eine E-Mail an: telefon(at)caritas-kaernten.at.