Der Erinnerung Raum geben

19.09.17 / 15:26

Am 21. September 2017 ist Welt-Alzheimertag. Die Caritas Kärnten beschäftigt sich mit der Krankheit des Vergessens das ganze Jahr. Das ,,Haus Elisabeth“ in St. Andrä im Lavanttal etabliert sich als Demenz-Kompetenzzentrum.

Der verlegte Schlüssel, der nie erfolgte Rückruf oder die sitzen gelassene Kollegin im Kaffeehaus: Nicht jede Vergesslichkeit muss mit Demenz – der Krankheit des Vergessens – zu tun haben. Rund 10.000 Kärntner leiden aber laut Land Kärnten tatsächlich an einer Demenzerkrankung. Jährlich kommen in unserem Land 2000 Neuerkrankte hinzu. Demenz ist die häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit. Sie verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Familien und bringt viele neue Herausforderungen mit sich. Die Caritas Kärnten versucht hier zu helfen und zu entlasten.

Eva Maria Malle als Caritas-Bereichsleiterin für stationäre Betreuung und Pflege sagt anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September 2017: „Von zehn BewohnerInnen in unseren Heimen haben acht eine Form von Demenz. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz.“ Deshalb erweitert die Caritas ihr Angebot. So wird das Pflegeheim Haus Elisabeth in St. Andrä im Lavanttal gerade zu einem Demenz-Kompetenzzentrum mit einem entsprechenden Wohnbereich und einem so genannten Demenzgarten ausgebaut. ,,Der Demenzgarten mit seinen Kleintieren, wie beispielsweise Hühnern und Hasen, wird von den Bewohnern und Bewohnerinnen bereits gerne besucht“, freut sich Malle. Im entsprechenden Wohnbereich wohnen hauptsächlich mobile dementiell-erkrankte Menschen. Sie werden vom fachlichgeschulten Personal betreut und begleitet. Mithilfe einer externen Expertin entsteht und wächst das Konzept dieses Wohnbereiches. Malle: ,,Aktuell wird in Workshops das Leitbild des Zentrums gemeinsam mit den MitarbeiterInnen erarbeitet.“

Anknüpfung an früher

Auch in den anderen Pflegewohnhäusern der Caritas gilt besonderes Augenmerk der Fortbildung der MitarbeiterInnen im Demenzbereich. Sie arbeiten mit den Konzepten der Validation und Basalen Stimulation. Mit dem Singen von altbekannten Liedern beziehungsweise Lesen von Gedichten und der Beschäftigung mit vertrauten Gegenständen, Materialien und Tieren von früher wird vergessen geglaubten Erinnerungen in der Sozialbetreuung breiter Raum gegeben.

Das Projekt ,,Demenz bewegt Leben“ – eine Kooperation der Caritas mit der Fachhochschule Kärnten – wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf bei Demenz aus. Nach der entsprechenden wissenschaftlichen Bestätigung hält es in weiteren drei Caritas-Pflegeheimen in Kärnten Einzug. Malle: ,,Dieses Bewegungsprogramm hat sich im Haus Martha und im Franziskusheim in Klagenfurt gut etabliert. Es bereitet unseren BewohnerInnen große Freude. Heuer starteten nach einer internen Schulung der MitarbeiterInnen und nach der Anschaffung des notwendigen Equipments auch die Häuser Elisabeth, Klara, Theresia und der Gregorhof damit.“ Das übersichtliche Handbuch dazu kann kostenlos auf der Caritas-Website heruntergeladen werden.

Handbuch zum Projekt ,,Demenz bewegt Leben“

Demenz-BegleiterInnen

Neu ist auch, dass freiwillige MitarbeiterInnen zur Betreuung von Menschen mit Demenz eine fun-dierte, praxisnahe Ausbildung und fachliche Begleitung erhalten können. Diese BegleiterInnen kommen dann kostenlos nach Hause oder ins Pflegeheim, um mit Betroffenen beispielsweise Zeit beim Spazierengehen, Spielen oder Plaudern zu verbringen. Wer interessiert daran ist, Menschen mit Demenz beziehungsweise Pflegeheim-BewohnerInnen zu begleiten, melde sich bitte bei Heidi Stockenbojer unter Telefon 0676/613 47 50 oder via E-Mail h.stockenbojer(at)caritas-kaernten.at

Gedicht - Elisabeth Schillinger, 1989

Das Wollen verlässt mich zuerst,
dieses „Das will ich, das werde ich, das muss ich!“
Ich wehre mich.
Du siehst meine Unruhe.
Ich kann dir nichts erklären.

Dann verlässt mich das Wahrnehmen,
dieses „Wo bin ich“, dieses „Was ist das“, dieses „Wer ist das?“
Du fragst mich: „Wie heiße ich?“ –
und wartest.

Ich aber bin verwirrt.
Auch das Bewusstsein verlässt mich, das „Ich“.
Zu der Zeit versorgst du schon meinen Körper.
Mir wird er fremd.

Das Empfinden aber bleibt.
Das Empfinden von Wärme und Kälte durch die Luft.
Das Empfinden von Wärme und Kälte durch deine Stimme,
durch deine Hände.
Das Empfinden bleibt.