,,Beim Sterben darf alles sein“

19.10.17 / 11:11

Die Caritas Kärnten sucht neue HospizbegleiterInnen und startet einen Ausbildungskurs im November. Karin Benzinger aus Reifnitz steht Männern und Frauen bereits seit Jahren im letzten Lebensabschnitt zur Seite: Die Hospizbegleiterin über die Einzigartigkeit des Menschen, das Sterben in Würde und die Unausweichlichkeit des Todes.

Irgendwann ist der Herbst endgültig vorbei. Für jeden Menschen geht das Leben unweigerlich zu Ende. Schön, wenn es dann jemanden gibt, der die letzten Kilometer mit und bei einem ist. Karin Benzinger aus Reifnitz begleitet seit Jahren unheilbar kranke, alte und demente Männer und Frauen. Mögen im Tod alle gleich sein, im Zugehen darauf sind sie es nicht. ,,Der eine schläft hinüber, der andere kämpft“, weiß die 61-jährige Hospizbegleiterin der Caritas Kärnten aus Erfahrung. So einzigartig wie jeder Mensch sei, so individuell seien die Wünsche beim Abschiednehmen: ,,Manche wollen Karten spielen bis zum Schluss, andere über den Sinn des Lebens reden.“

Die sechsfache Mutter und Oma betreut die Menschen schon lange vor ihrem Fortgang. ,,Mein Weg mit ihnen beginnt nicht erst am Sterbebett, sondern früher, sodass eine Beziehung entstehen kann.“ Benzinger stellt sich auf jeden Sterbenden ein; hält die Bewahrung seiner Würde und Autonomie für sehr wichtig. ,,Ich frage mich, was der Betroffene im Moment meines Besuches braucht. Ich versuche, in ihn hineinzuhorchen, hineinzuschauen, hineinzufühlen und in meinem Handeln beruhigend zu sein.“ Das Wichtigste für Hospizbegleiter sei Einfühlungsvermögen, sagt Benzinger. Sie selbst sei bemüht, nie zu werten. ,,Alles darf sein. Für mich ist der Mensch, wie er ist, würdig, vollständig und wert, begleitet zu werden.“

,,Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt“

Benzinger beschäftigt sich mit dem Tod seit Jugendtagen, als sie im Alter von 20 Jahren einen Herzstillstand erlitten hat. ,,Seither vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Tod denke. Er hat für mich nichts Beängstigendes, sondern gehört zum Leben wie die Geburt.“ In den Jahren 2009/2010 – als ihr Vater sehr krank und sein Tod absehbar gewesen sei – habe sie den Hospizkurs der Caritas besucht und sich umfangreiches Wissen rund um Sterbebegleitung, Demenz, Validation und Trauerarbeit angeeignet.

Um Menschen im letzten Lebensabschnitt begleiten zu können, ist es unerlässlich, auf die eigenen Grenzen zu achten. Benzingers Kraftquellen sind ,,die Familie, der große Garten und lange Spaziergänge“. Für ihre schwierige Arbeit fühlt sie sich belohnt – etwa, ,,wenn sich der sterbende Mensch entspannt und sich sein Gesicht erhellt, wenn ich seine Hand nehme und mit ihm leise rede“.

58 HospizbegleiterInnen in ganz Kärnten

Benzinger gehört zu den 58 freiwilligen HospizbegleiterInnen, die sich zurzeit in ganz Kärnten für die Caritas engagieren. Diese standen allein im Vorjahr rund 1985 Stunden im Einsatz. Sie schenkten schwerst- und sterbenskranken Menschen und deren Angehörigen im häuslichen Bereich und in Akut- und Chronischen Stationen von Spitälern und Pflegeheimen Zeit und Aufmerksamkeit. Die 51 Frauen und sieben Männer treffen sich regelmäßig zum Austausch.

Neue Freiwillige werden ab November geschult

Das Team der Freiwilligen soll wachsen. Eva Maria Wernig als Bereichsleiterin für mobile Betreuung und Pflege lädt Interessierte zum Besuch des Hospizlehrganges in Klagenfurt ein. Der beginnt Mitte November 2017. Wernig: ,,Der Bedarf an Hospizbegleitung steigt. Die Menschen werden immer älter. Die klassische Großfamilie, in der man die Oma bis zu ihrem Tod liebevoll begleitet hat, gibt es nicht mehr. Wir suchen daher neue freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die viel Empathie mitbringen und bereit sind, sich mit dem Altern, Sterben und Trauern auseinanderzusetzen.“

Mitte November startet im Schloss Krastowitz in Klagenfurt ein neuer Ausbildungslehrgang zur mobilen Hospizbegleitung. Infos und Anmeldung bei Eva Maria Wernig, Tel: 0664/806488-114 oder E-Mail: e.wernig@caritas-kaernten.at.