Die Existenzangst hinter verschlossenen Türen

31.10.17 / 14:44

Foto: Jork Weismann

Die Armen werden immer ärmer. Die Entwicklung im Bereich working poor und die Armut unter Kindern und Jugendlichen sind besorgniserregend. Da macht Kärnten keine Ausnahme. Weil Armut vererbt wird, will die Caritas Kärnten diesen Kreislauf durchbrechen.

Jeder siebente Mensch in Österreich ist von Armut und Ausgrenzung betroffen. In Kärnten ist die Situation mit rund 79.000 Betroffenen nicht anders. Auch wenn sich die Existenzsorgen und Nöte meist hinter verschlossenen Türen abspielen: ,,Langzeitarbeitslose, Menschen mit geringem Bildungsabschluss, Familien mit mehr als zwei Kindern und Alleinerziehende seien besonders stark von Armut und Ausgrenzung betroffen, weiß Christian Eile, Bereichsleiter von ,,Menschen in Not“ bei der Caritas Kärnten.

Rund 300.000 Menschen sind in Österreich working poor. Das heißt, dass sie trotz Arbeit von ihrem Einkommen nicht mehr leben können. Eile: ,,Wir sehen diese Entwicklung in unserer täglichen Arbeit in unseren Sozialberatungsstellen in Kärnten bestätigt!“ Um Menschen in Not vor Ort zu unterstützen, habe man im Vorjahr an den Caritas-Standorten Spittal, Villach und Wolfsberg – also in Bezirken mit hoher Arbeitslosigkeit – eine eigene Sozialberatung eingeführt.

,,Ein Drittel der Menschen, die zu uns in die Beratungsstellen kommen, hat nach Abzug der Fixkosten weniger als acht Euro täglich zur Verfügung“, ist Caritasdirektor Josef Marketz in Sorge. Acht Euro für Essen, Kleidung oder Babynahrung und Windeln. Seien die Menschen früher wegen der Unterstützung für den Schulskikurs der Kinder gekommen, so gehe es heute um Existenzielleres, wie ein Dach über dem Kopf oder einen halbwegs gefüllten Kühlschrank.

10.000 Kinder von Armut und Ausgrenzung betroffen

Was Eile besonders alarmiert, ist, dass die sogenannte Armutsgefährdungslücke, die ein Maß für die Intensität von Armut sei, in den letzten Jahren größer geworden ist: ,,Das bedeutet, dass arme Menschen zunehmend ärmer werden!“ Sorgen bereitet ihm auch die Armut unter Kindern und Jugendlichen. So gibt es allein in Kärnten 10.000 Betroffene. Eile: ,,Es fehlt an allen Ecken und Enden das Geld!“ Armut und vor allem Kinderarmut bedeute einen schlechten Gesundheitszustand, soziale Isolation und eine eingeschränkte, schulische und kulturelle Teilhabe. Eile: ,,Viel spricht dafür, dass Armut wie Reichtum vererbt und an die nächste Generation weitergegeben wird.“

Kinderarmut und working poor beweisen, dass Armut nicht vom Himmel falle. Eile: ,,Sie wird zugelassen und ist die Folge konkreter Entscheidungen.“ Die Sozialpolitik sei gefordert, das Auftreten von Armut effektiv zu vermindern – mit Verbesserungen der sozialen Durchlässigkeit im Bildungssystem und alltagsnahen Kinderbetreuungsformen; mit der Anhebung der Mindestlöhne über die Armutsgefährdungsschwelle und einer Debatte über die Verteilung von Vermögen.

So hilft die Caritas

Die Caritas hilft armutsbetroffenen Menschen auf mehrfache Weise – mit Beratung, der Erstellung einer Haushaltsrechnung und der Prüfung sozialrechtlicher Ansprüche, wie z. B. Mindestsicherung, Wohnbeihilfe und Familienzuschuss; mit finanziellen Überbrückungshilfen in Form von Kostenbeiträgen z. B. im Falle einer Delogierung oder Stromabschaltung; mit ,,carla“-Gutscheinen für Bekleidung und Haushaltswaren. Außerdem können Bedürftige dreimal in der Woche in der LEA (Lebensmittelausgabe) in der Kaufmanngasse 6 in Klagenfurt kostenlos einkaufen.

Caritasdirektor Marketz bittet um Spenden für die Inlandshilfe: ,,Wir tragen Verantwortung für uns selbst, aber auch füreinander. Gemeinsam können wir Familien in Not in Kärnten helfen!“