,,Bei einer Heizkostennachzahlung wird es richtig brenzlig“

31.10.17 / 15:20

Immer mehr Kärntnerinnen und Kärntner haben am Ende des Geldes noch viel Monat übrig. Eine alleinerziehende, teilzeitarbeitende Mutter erzählt, warum es ihr fast unmöglich ist, mit ihrem geringen Gehalt über die Runden zu kommen.

Arm sei sie Gott sei Dank nicht, sagt Petra G.* (Name geändert) aus Klagenfurt, weil: ,,Ich bin gesund und habe einen 13-jährigen Sohn, den ich liebe, und eine Arbeit, die mir Freude bereitet!“ Die Mittdreißigerin gehört dennoch zur immer größer werdenden Gruppe jener Kärntnerinnen und Kärntner, die zwar einer Beschäftigung nachgehen, aber mit dem Geld kaum über die Runden kommen. Dabei: ,,Wir leben äußerst sparsam. Ich rauch´ nicht, fahr´ nicht auf Urlaub, geh´ nicht fort, hab´ auch kein Auto und kein Internet. Mit meinem Gehalt kann ich aber gerade einmal die Fixkosten zahlen“, erzählt die alleinerziehende Mutter. Nachsatz: ,,Wenn, wie kürzlich, eine Heizkostennachzahlung fällig wird, wird es richtig brenzlig.“ Sie wisse auch nicht, woher sie das Geld für den kommenden Schulausflug ihres Sohnes nehmen solle.

Petra G., die ihre Freizeit gerne mit Radfahren, Wandern und Backen verbringt, plagt die Existenzangst. Die ausgebildete Einzelhandelskauffrau arbeitet in einer Großküche und bekommt 620 Euro netto für 20 Stunden Arbeit pro Woche. Für ihr Kind erhält sie Unterhalt. Trotz Sozialleistungen, wie Familienbeihilfe und Mindestsicherung liegt sie mit ihrem Sohn deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle. Das Geld gehe für die Miete und die Kosten für Strom, Heizung, ,,Öffis“ sowie fürs tägliche Leben zur Gänze auf.

,,Ich würde gerne wieder im besser bezahlten Handel arbeiten, aber das geht momentan nicht“, sagt Petra G. Auch ein Vollzeitjob sei nicht möglich. Der Grund: Die junge Frau muss sich um ihren Sohn Johannes* (Name geändert) kümmern: ,,In unserem Umfeld ist leider niemand, der das sonst übernehmen könnte.“ Johannes leidet an zwei folgenschweren chronischen Erkrankungen. Ihn nach Schulschluss allein zu lassen, gehe einfach nicht. Und das Geld für eine adäquate Nachmittagsbetreuung stünde nicht zur Verfügung.

Petra G. ist dankbar, dass es die Caritas Kärnten gibt. Die ist ihr nämlich schon einmal, als es sich ,,vorn und hinten nicht mehr ausgegangen ist“ und ihr das Startgeld für eine billigere Wohnung gefehlt hat, beratend und finanziell zur Seite gestanden.

Große Träume hat Petra G. nicht: ,,Einmal mit einer Freundin auf ein Konzert zu gehen, das wäre schön!“

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In Österreich – und damit auch in Kärnten – ist jeder siebente von Armut und Ausgrenzung betroffen. Warum und wie wir helfen ist Schwerpunkt unserer jährlichen Inlandskampagne rund um den Elisabethsonntag im November. Gemeinsam können wir Menschen in Not helfen!