Wertschätzung als Grundstein für Schritte aus der Sucht

21.02.18 / 15:09

Michael Reif, neuer Suchtberater in unseren Beratungsstellen Villach und Spittal an der Drau, über Sucht, Abhängigkeit und Wege hinaus.

Die Palette an Süchten ist groß. Bei welchen helfen Sie? Und was erwartet von Sucht betroffene Menschen, die sich an Sie wenden?

MICHAEL REIF: Ich biete klinisch-psychologische und psychosoziale Beratung sowie Betreuung für Menschen an, die in ihrem Leben mit dem Thema Sucht konfrontiert sind. Dabei kann es sich sowohl um stoffgebundene Süchte, wie Alkohol und Drogen, handeln als auch um stoffungebundene Süchte, wie Spiel- oder Kaufsucht oder Internetabhängigkeit. Unser Angebot richtet sich an Betroffene und Angehörige.

Wie legen Sie Ihre Arbeit an?
REIF: Ich sehe meine Aufgabe darin, den Menschen einen Rahmen zu bieten, in dem sie zunächst Entlastung erfahren können. In der Folge gilt es ein realistisches Anliegen zu formulieren, an dem wir gemeinsam arbeiten. Ziel ist eine subjektiv erlebte Verbesserung der Lebenssituation. Sollte es fachlich begründet sein, dann begleite ich meine Klientinnen und Klienten auch bei einer Vermittlung, also beispielsweise in Richtung eines stationären Aufenthalts oder einer fachärztlichen Behandlung.

Auch Kärnten sorgt mit Suchtgifttoten immer wieder für Schlagzeilen. Wie beurteilen Sie die Situation im Land?
REIF: Ich lebe erst seit Anfang des Jahres in Kärnten, weshalb ich die hiesige Situation noch nicht kommentieren kann. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es einen möglichst niederschwelligen Zugang zum Suchthilfenetzwerk braucht. Dafür bedarf es einer Zusammenarbeit von Politik, Exekutive und Gesundheitswesen. Sobald die Betroffenen den Weg in eine Spezialeinrichtung gefunden haben, können die Behandlung einer möglichen Abhängigkeit und die Aufklärung über die Risiken von Substanzkonsum und was man tun muss, um diese zu minimieren, beginnen.

Wenn Klientinnen und Klienten beziehungsweise deren Angehörige zu Ihnen kommen. Womit dürfen sie rechnen?
REIF: Ich denke, dass die Menschen, die zu mir in die Beratungsstelle kommen, zunächst einmal Akzeptanz und Wertschätzung erfahren sollten. Beides haben sie verdient. An beidem lässt es unsere Gesellschaft oftmals mangeln. Erst eine akzeptierende und wertschätzende Haltung erlaubt es den Menschen anzukommen, um in der Folge Freiräume zu entdecken und diese für sich nutzbar zu machen, sodass eine schrittweise Verbesserung des Status quo möglich wird.

Wie können Sie Betroffene erreichen?
REIF: Werktags kann man mit mir telefonisch Termine vereinbaren. Die Wartezeit auf ein Erstgespräch beträgt derzeit rund ein bis zwei Wochen. Außerdem gibt es zu folgenden Zeiten die Möglichkeit, ohne Terminvereinbarung ein Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen: in der Caritas-Beratungsstelle Villach dienstags von 9 bis 12 und donnerstags von 15 bis 17 Uhr und in der Caritas-Beratungsstelle Spittal mittwochs von 9 bis 11 Uhr.

Zur Person

Mag. Michael Reif (39) ist Klinischer und Gesundheitspsychologe sowie Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision. Er hat die letzten sieben Jahre Menschen mit Suchtproblematik und deren Angehörige beim „Verein Dialog – Individuelle Suchthilfe“ in Wien ambulant beraten, betreut und behandelt. Der Vater von zwei Kindern, der von Wien nach Kärnten gezogen ist, ist verheiratet und wohnt bei Feldkirchen. Reif liebt die Natur, mag das Lesen und hört gerne Radio.

Kontakt: michael.reif@caritas-kaernten.at; Telefon: 0676/89 85 27 88 01.