Das haben „Caritas&Du“ 2017 bewirkt

18.06.18 / 13:00

Caritasdirektor Josef Marketz bedankt sich anlässlich der Präsentation des Wirkungsberichts 2017 bei allen Spenderinnen und Spendern und appelliert zugleich: „Wir brauchen die Solidarität aller, um Menschen in Not weiterhin treffsicher helfen zu können!“

Wie die Caritas wirkt, zeigt sich eindrucksvoll im Wirkungsbericht 2017: So haben allein im Vorjahr 3.184 Menschen (!) den Weg in eine der vier Sozialberatungsstellen im Land als letzten Ausweg gesehen. Finanzielle Überbrückungshilfen und vor allem eine intensive Beratung sollen die Menschen langfristig gesehen wieder unabhängig von fremder Hilfe machen. Allein über 183.200 Euro wurden an 850 Menschen für den Bereich Wohnen ausgeschüttet und mit über 19.700 Euro vermehrt Kindergärten- und Hortbeiträge finanziert. 4.725 Menschen kamen zusätzlich in die Einrichtungen der Familien- und Lebensberatung, um sich in 17.680 Gesprächen beraten zu lassen oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus kontaktierten 381 KlientIinnen (1.417 persönliche Gespräche) die Suchtberatungsstellen und 495 Männer und Burschen (1.348 Gespräche) die Männerberatung. 13.364 Mal klingelte das Telefon in der TelefonSeelsorge. Die half 289 Mal auch via Online- und Chatberatung.

Bedenkliche Entwicklungen

Menschen in Not-Bereichsleiter Christian Eile ist alarmiert, denn: „Auch wenn laut Statistik die Armutsgefährdung in Kärnten leicht rückläufig ist, sind 58.000 Menschen weiterhin davon betroffen.“ Das Fatale daran: „Die Armen werden immer ärmer. Besonders die Armut im Bereich working poor sowie bei Kindern und Jugendlichen bereitet uns Sorgen!“ Die Menschen hätten Schwierigkeiten, ihre Mieten zu zahlen oder die Wohnung im Winter entsprechend zu heizen. Vielen fehle das Geld, um ausreichend Lebensmittel einzukaufen.

Werde die bedarfsorientierte Mindestsicherung wie diskutiert umgesetzt, befürchtet Eile eine Verstärkung dieses Trends. „Erhält man ab dem dritten Kind tatsächlich nur noch rund 45 Euro, dann kann man damit die existenziellen Bedürfnisse eines Kindes nicht mehr ausreichend decken.“ Eile registriert mit Sorge eine Verschlechterung im Bereich der Wohnsituation. So ist mit 765 Hilfesuchenden (618 im Jahr 2016) die Zahl der KlientInnen in der Wohnungslosenhilfe stark angestiegen.

Auch Ursula Luschnig, Bereichsleiterin Menschen in Krisen, betrachtet die politischen Entwicklungen im Sozialbereich sorgenvoll: „Bei der achtprozentigen Kürzung der durch Bundesmittel geförderten Familienberatung sind auch wir leidtragend. Die Kürzung würde in Kärnten konkret rund 350 Menschen treffen, die dann keinen Beratungsplatz bekommen würden oder dafür monatelang auf der Warteliste stehen müssten.“ Um die Finanzierung sicherzustellen, sei man dabei, mit Gemeinden und Land ins Gespräch zu kommen.

Kürzungen durch den Bund gibt es auch bei den Lerncafés. 97 Freiwillige haben im Vorjahr in den fünf Lerncafés 169 SchülerInnen kostenlose Lernbetreuung am Nachmittag angeboten. Eile ist alarmiert: „Uns ist eine ganzheitliche Erziehung wichtig. Dazu gehört auch eine gesunde Ernährung. Leider ist uns nichts Anderes übriggeblieben, als die gesunde Jause für die Kinder stark einzuschränken.“ Werde der Sparstift weiter angesetzt, dann würde die Caritas die Lerncafés in dieser Form generell nicht mehr betreiben können.

Sparsam, aber effektiv

Die Caritas ist nicht nur eine Hilfsorganisation, sondern auch ein Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Pflege, Menschen mit Behinderungen, Schulen und Kinderbetreuung. Sie hat 2017 in allen Bereichen mehr als 42 Millionen Euro eingesetzt. Die Kosten für Administration und Infrastruktur betragen schlanke 4,4 Prozent der Mittel.

„Viele unserer Tätigkeiten und Projekte sind nur dank der SpenderInnen möglich, weil die Förderungen der öffentlichen Hand bei Weitem nicht ausreichen“, sagt Caritasdirektor Josef Marketz. Übrigens: Von knapp 2,6 Millionen Euro an Geld- und Sachspenden, die im Jahr 2017 an die Caritas gegangen sind, wurden allein mehr als 1,1 Million Euro in die Sozial- sowie Familien- und Lebensberatung investiert. „Es sind dies die Herzstücke der Caritas-Hilfe im Inland“, so Marketz. Über 990.000 Euro wurden von SpenderInnen für Ernährungs- und Bildungsprojekte in der Auslandshilfe zweckgewidmet.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Der Tatendrang der Caritas ist ungebrochen. Konzepte, wie die Neugestaltung der Kleiderläden „carlas“ sowie der Einstieg in grenzüberschreitende Projekte befinden sich in den Startlöchern. „Wir gehen neue Wege“, meint Marketz und kann sich dabei auf 887 hauptamtliche MitarbeiterInnen und weitere 458 in den pfarrlichen Kinderbetreuungseinrichtungen verlassen.

Neue Wege werden auch in der Pflege gesucht. Marketz weiß um die Herausforderungen in diesem Bereich, um zukunftsfit zu bleiben. Um notwendige Innovationen in bestehende sowie neue Projekte für eine bedarfsorientierte Versorgung alter und pflegebedürftiger Menschen sicherzustellen, sind derzeit Gespräche mit einem potenziellen Kooperationspartner, der Stiftung Liebenau, im Gange. „Wir prüfen derzeit eine mögliche Zusammenarbeit“, sagt Marketz. Gerüchte um den Verkauf der Heime oder gar der Caritas, weist er entschieden zurück.

Der Caritasdirektor freut sich über die guten Partnerschaften mit vielen Unternehmen. „Wir haben auch enge Beziehungen zu unseren 336 Pfarren und gestalten tagtäglich gemeinsam Zukunft und lebenswerte Rahmenbedingungen für alle Menschen. Wir und unsere Haltungen und Werte werden von rund 700 Freiwilligen mitgetragen.“ Marketz appelliert gemäß dem Caritas-MottoWir>Ich“ an die Solidarität aller – Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft – „um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu meistern“ und bittet um Spenden, um die vielen Hilfsangebote weiterhin aufrechterhalten zu können: