Mit einem Haarschnitt „wie ein neuer Mensch“

26.09.18 / 09:20

Foto: Herbert Wieser

Die Mission der „Barber Angels“ ist der diskrete und kostenlose Haar- und Bartschnitt von Wohnungslosen und Menschen, die sich einen Friseurbesuch nicht leisten können. Am 7. Oktober von 13 bis 16 Uhr kommen sie wieder in unser „Eggerheim“ nach Klagenfurt.

Walter* freut sich schon auf den Einsatz der „Barber Angels“ in unserer Wohnungslosentagesstätte. Als sie heuer knapp nach Ostern zum ersten Mal da waren, hat er (seine langen) Haare gelassen. Nach der Behandlung durch einen „Friseur-Engel“ fühlte er sich mit seiner neuen Kurzhaarfrisur und dem gestutzten Bart „total gepflegt, wie ein neuer Mensch“.

Der Mann Mitte fünfzig ist seit Langem wohnungslos. Eine schwere Erkrankung hat ihn vor Jahren aus der Bahn geworfen. Er verlor seine Familie, seinen Job und letztendlich auch seine Wohnung. Hilfe und Halt erfährt Walter seither in unserem „Eggerheim“.

Mit Händen Gutes tun

Menschen wie ihm zu helfen, ist die Mission der „Barber Angels“, sagt deren Österreich-Präsident Johann Glaser. Er weiß aus Erzählungen von Betroffenen, „wie schnell es gehen und man auf die Hilfe anderer angewiesen sein kann“. Daher engagiere man sich.

Der Klagenfurter Barber kommt mit elf MitstreiterInnen am 7. Oktober ins „Eggerheim“, um dort Wohnungslose und Menschen, denen das nötige Geld für den Friseurbesuch fehlt, mit einem kostenlosen Haar- und Bartschnitt zu verwöhnen. „Wir wollen nicht einfach spenden, sondern mit unseren Händen Gutes tun“, erzählt Glaser von Auftritten der „Friseur-Engel“, die sie dieses Jahr auch schon nach Wien und Salzburg gebracht haben.

20 Mitglieder in Österreich

Den sozialen Friseurverein „Barber Angels Brotherhood Austria“ gibt es seit heuer in Österreich. Er hat mittlerweile 20 Mitglieder, etliche davon aus Kärnten. Weitere werden gesucht. Ziel ist es, in Sozialeinrichtungen in jedem Bundesland drei- bis viermal pro Jahr mit kostenlosen Haar- und Bartschnitten tätig zu sein.

Obdachlose erfroren

Die Idee zu den „Barber Angels“ hatte Glasers Kollege Claus Niedermaier im süddeutschen Biberach 2016. Er erzählte der Tageszeitung „Die Presse“, dass er an einem Novemberabend bei Minus 15 Grad im Fernsehen gesehen habe, „wie obdachlose Menschen in München erfroren sind. Und da habe ich mir gedacht: Was kann ich tun, um das zu ändern? Ich habe nicht genug Geld, um allen zu helfen.“ Aber: Was er habe, „das ist mein Handwerk“. Eines, das dabei helfen könne, „dass man den Menschen ihre Situation nicht von vornherein ansieht. Und das vielleicht ihre Chance erhöht, wieder zurückzufinden“. Bald darauf waren die „Barber Angels“ geboren.

Wiedersehensfreude

„Eggerheim“-Leiterin Katrin Starc dankt dem Friseur-Klub für seinen erneuten Einsatz von ganzem Herzen. „Unsere Besucherinnen und Besucher, die beim ersten Mal noch etwas zurückhaltend waren, freuen sich schon sehr auf eine neue Frisur und das Wiedersehen mit den Barber Angels. Vielleicht bleibt ja auch diesmal Zeit, um gemeinsam Tischtennis und Federball zu spielen.“

* Name geändert