„Wer ein Herz für die Not anderer hat, stiftet und findet Frieden“

09.11.18 / 16:10

Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger über das Helfen, die Caritas-Begegnungswoche und die „carlas“ als „Segen für armutsbetroffene Menschen“.

Alljährlich rund um den und am Elisabethsonntag selbst – dem Tag der Fürsprecherin der Armen – sammelt die Caritas für Menschen in Not in Kärnten. Was kann uns die heilige Elisabeth heute sagen – in einer Zeit, in der die Politik die Eigenverantwortung des Menschen sehr stark in den Vordergrund stellt?

 

Engelbert Guggenberger: Das Lebensbeispiel der heiligen Elisabeth zeigt uns, dass Eigenverantwortung nicht bei mir selbst und meinen Bedürfnissen stehen bleiben darf. Immer leben wir im Austausch mit unserer Umwelt, aber auch in Abhängigkeit von unserer Mitwelt. Daher müssen wir uns auch um unsere Um- und Mitwelt kümmern, wenn wir eine gute Zukunft haben wollen. Gerechtigkeit schafft Frieden, liest man in großen Lettern über dem Ballhausplatz in Wien. Wer ein Herz für die Not anderer hat, stiftet Frieden und findet überdies auch Frieden im eigenen Herzen.

Die Caritas Kärnten unterstützt mit dieser Sammlung – gemäß dem Motto ihrer heurigen  Inlandskampagne „Helfen im Lånd“ – Frauen und Männer in prekären Lagen in unserem Bundesland. Sie ist dabei ganz stark auf die Mithilfe der Pfarren und Pfarrgemeinderäte angewiesen. Gerade diese kennen ja die sozialen Brennpunkte vor Ort bestens. Inwieweit sehen Sie die Pfarren hier in der Verantwortung?

Guggenberger:  Die Pfarrgemeinderäte werden in dieser Frage der Caritas sicherlich behilflich sein, besteht doch einer der vier Grundaufträge des Pfarrgemeinderates im „Dienst am Nächsten". Dieser Grundauftrag hat in jeder Pfarre ein konkretes Gesicht. Das heißt, der Pfarrgemeinderat bestimmt eine Person, die darauf achtet, dass das Ziel im Auge behalten und der Dienst am Nächsten in der Pfarre geleistet wird. Diese Person kann für die Caritas ein wertvoller Gesprächs- und kompetenter Auskunftspartner sein.

62.000 KärntnerInnen sind armutsgefährdet. Kennen Sie persönlich Männer und Frauen, die unter Not leiden? Und wenn ja, wie begegnen Sie ihnen?

Guggenberger: Als Pfarrer von Spittal hatte ich viel Umgang mit Menschen auf der Straße. Sie kamen regelmäßig vom Bahnhof und baten um Geld, Essen und Unterkunft. Dies alles erhielten sie. Die Pfarre hatte sich darauf positiv eingestellt, auch wenn uns im konkreten Fall oft einiges abverlangt wurde. Geld gab es in Form einer Bahnkarte zur Weiterfahrt.

Papst Franziskus legt sehr großen Wert auf Solidarität und Nächstenliebe innerhalb der Weltgemeinschaft. Wie geht die Kirche Kärntens damit um?

Guggenberger: Wir versuchen, diese Werte zu einer Maxime unseres Handelns werden zu lassen. Das geschieht zuerst einmal dadurch, dass wir davon reden. Dem Reden müssen aber auch Taten folgen, persönliche und Taten der Gemeinschaft.

Der Papst hat den Elisabethsonntag (18. November 2018) zum Welttag der Armen ausgerufen. Wie wird er in Kärnten begangen?

Guggenberger: Da gibt es viele Aktionen in den verschiedenen Pfarren und Gemeinschaften. Um sie alle aufzuzählen, fehlt mir der Überblick. Ich jedenfalls werde am Abend des 19. Novembers um
18  Uhr in der Kirche der Elisabethinen in Klagenfurt mit vielen, denen das Lebensbeispiel der heiligen Elisabeth viel bedeutet, eine heilige Messe feiern.

Die Caritas geht vom 10. bis 18. November mit einer Begegnungswoche ins Lånd und kommt dabei in den Bezirk Spittal. Sie selbst waren Dechant für das Dekanat Spittal an der Drau. Welche Potenziale sehen Sie in der Zusammenarbeit zwischen Pfarren, Gemeinden, Zivilgesellschaft und der Caritas?

Guggenberger: Der Raum, den das Dekanat Spittal umfasst, hat meines Erachtens nach gute Voraussetzungen für eine Begegnungswoche der Caritas. Einerseits gibt es dort ein traditionell gutes Zusammenwirken von Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Und zweitens ist der Name Caritas in Spittal ein bereits gut eingeführter Begriff, was sich dem Umstand verdankt, dass die Pfarr-Caritas von Spittal über Jahre und Jahrzehnte von der Bevölkerung als eine äußerst hilfreiche Institution erfahren wurde.

Die „carlas“ in Klagenfurt und Villach erstrahlen in neuem Glanz und laden ab 19. November zu Tagen der Aktionen und Überraschungen.  Sie selbst segnen den Caritas-Laden in Klagenfurt. Wie wichtig finden Sie dieses Angebot?

Guggenberger: Ich halte die „carlas" für eine äußerst begrüßenswerte Initiative. Als ehemaliger Pfarrer von Spittal weiß ich um die Bedeutung der Caritas-Läden. Auf der einen Seite sind sie ein Segen für Menschen, die an der Armutsgrenze leben müssen. Auf der anderen Seite führen sie Kleidung, die in unserer Überflussgesellschaft andernfalls nur weggeworfen würde, einer sinnvollen Nutzung zu.

Wenn Sie an die von Armut betroffenen Menschen in Kärnten denken. Was wünschen Sie sich von der Caritas als kirchlicher Hilfsorganisation, was von Politik und Gesellschaft?

Guggenberger: Von der Caritas wünsche ich mir, dass es ihr gelingt, Menschen in Not wirksam zu helfen. Von der Politik wünsche ich mir, dass sie Verhältnisse schafft, die möglichst verhindern, dass Menschen in Bedrängnis kommen. Und von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass sie um ein von Solidarität und Mitgefühl geprägtes öffentliches Bewusstsein bemüht ist.

In den Medien werden Betroffene häufig auf ihre Armut reduziert. Ich nehme an, das Menschenbild der Kirche ist ganzheitlicher. Mit welchen Augen sehen Sie als deren Vertreter Menschen in Not?

Guggenberger: Der christliche Glaube lehrt uns, im hilfsbedürftigen Menschen Christus selbst zu sehen. Aus den Augen des Not leidenden Menschen blickt uns Jesus entgegen, der im letzten Kapitel des Matthäus-Evangeliums sagt: Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.