Gemeinsam erarbeitete neue Perspektiven

20.11.18 / 15:39

Fazit der Caritas-Begegnungswoche in Spittal

Die Menschen und die Nöte vor Ort zu kennen, den Blick auf die Situation in der Region zu öffnen, das vorhandene Solidarnetz stärken: Das waren die Ziele der Caritas-Begegnungswoche, die von 10. bis 19. November im Bezirk Spittal im Rahmen der Inlandskampagne stattgefunden hat.

Caritasdirektor Josef Marketz zieht im Blick auf die vergangene Woche eine positive Bilanz: „Es war eine Woche voll intensiver Begegnungen. Ich konnte alle von uns betreuten Pfarrkindergärten besuchen, ebenso unser Pflegeheim in Obervellach und die Lebens- und Sozialberatung. Vor allem aber durfte ich zahlreiche Menschen kennenlernen, die auf so wunderbare Weise Caritas leben und den Menschen in ihrem Umfeld helfend zur Seite stehen.“

Der Blick auf den Bezirk in der Armutsfrage ergab, dass statistisch rund 9.000 Menschen in der Bezirkshauptmannschaft Spittal als armutsgefährdet gelten. Doch die Zahl der Menschen, die Hilfe aktiv in Anspruch nehmen, liegt weit darunter. Zu groß ist die Scham, Hilfe anzunehmen und darüber zu sprechen. Armut spielt sich also meist hinter verschlossenen Türen ab, ist versteckt und lässt sich schwer greifen. So beziehen im Bezirk nur 568 Menschen die Mindestsicherung.

Trotz einem vorbildhaften sozialen Engagement im Bezirk und der guten Zusammenarbeit diverser Organisationen wiegen folgende Umstände sehr schwer: Die Bevölkerung sinkt seit 20 Jahren im gesamten Bezirk. Zu wenig Arbeitsplätze für junge Menschen und die damit einhergehende Stadtflucht, gepaart mit der zunehmenden Einsamkeit von Menschen, besonders im Alter: diese Indikatoren wurden bereits bei der Auftaktveranstaltung, zu der zahlreiche VertreterInnen aus Politik, Kirche und aus diversen Hilfsorganisationen und Vereinen gekommen waren, identifiziert.

Im Anschluss daran fanden in den Zentren der einzelnen Dekanate, die der Bezirk umfasst, Heilige Messen sowie Regionalentwicklungstreffen statt. Im Zuge dieser Gespräche verfestigten sich die Annahmen, dass über Not wenig gesprochen wird und die Menschen mit ihren Problemen oft alleine gelassen sind - besonders, wenn sich Notlagen zuspitzen.

„Das geringe Arbeitsangebot zwingt viele Menschen zum Pendeln und zur Inkaufnahme weiter Wege. Junge Menschen erhalten eine gute Ausbildung, finden dann aber keine passende Beschäftigung in der Region, was wiederum zu Einsamkeit der älteren Bevölkerung führt. Besonders prekär ist die Arbeitslage also für junge Menschen, ältere Menschen, Alleinerziehende und Menschen, die trotz Arbeit zu wenig Geld zum Leben haben, sogenannte „working poor“, zieht Caritas-Mitarbeiterin Eva Daisenberger, die mit ihrer Kollegin Marion Mörtl, für die Organisation dieser Woche verantwortlich zeichnete, Bilanz. „Besonders häufig genannt wurden aber auch seelische Nöte, ausgedrückt in psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen. Eine massive Zunahme von psychischen Belastungen und eine steigende Suizidrate treffen derzeit auf lange Wartezeiten bei Beratungsangeboten wie Lebensberatung oder Psychotherapie. Einrichtungen in diesem Arbeitsfeld klagen über die Kürzungen von Bundesseite“, ergänzt Mörtl.

„Aufgrund der Veränderung der traditionellen Familienstrukturen ändert sich auch das gemeinschaftliche Leben. So gibt es Menschen aller Altersschichten, die von Einsamkeit und Isolation betroffen sind. Auch Suchterkrankungen seien ein großes Thema in der Region, über das sehr zaghaft, aber doch gesprochen wurde. Vor dem Hintergrund mangelnder Zukunftsperspektiven für junge Menschen wurde die Frage aufgeworfen, ob dieser Mangel zur Entstehung von Suchtgeschehen beiträgt“, ergänzt Christian Eile, Menschen in Not- Bereichsleiter der Caritas Kärnten.

Im Rahmen der Regionalentwicklungstreffen in Obervellach, Gmünd und Greifenburg wurden durchaus innovative Lösungsansätze entwickelt und erste Schritte festgelegt, wie zB. das Einrichten eines Fahrtenservice oder einer Infohotline. Auch ein Jugendzentrum steht auf der Wunschliste. Zentral bei allem scheint das Gespräch selbst zu sein: Menschen anzusprechen, die sich in Not befinden, ist immer der erste Schritt.
Marketz: „Wir müssen gemeinsam auf Menschen in Notlagen zugehen, dort hinsehen und sie stärken, über ihre Sorgen zu sprechen. Nur dann können wir handeln und die Menschen unterstützen.“

Krönender Abschluss - Elisabethfeier am Welttag der Armen und Ausblick

Papst Franziskus hat ihn letztes Jahr zum ersten Mal ausgerufen: Den Welttag der Armen, der am traditionellen Elisabethsonntag gefeiert wird. In den katholischen Pfarren Kärntens finden an diesem Sonntag jährlich Elisabethfeiern samt Sammlungen für die Inlandshilfe der Caritas statt. So fand auch die Begegnungswoche mit einer heiligen Messe mit Caritasdirektor Josef Marketz mit anschließender Agape in Radenthein ihren Abschluss.

Marketz zur Frage wie es weitergeht: „Wir wollen nahe bei den Menschen sein. Da wir im Jahr 2021 unser 100jähriges Bestehen feiern, möchte ich bis dahin eine soziale Landkarte erstellen und alle Bezirke näher kennenlernen. An dieser Stelle möchte ich auch allen, die in der Vorbereitung sowie in der Umsetzung der Begegnungswoche so intensiv mitgeholfen haben, sehr herzlich danken!“

In Spittal erarbeiten nun die einzelnen Organisationen und Vereine ein Konzept, wie entsprechende Rahmenbedingungen aussehen müssten, um die Situation vor Ort zu verbessern.

Helfen im Lånd

Die Begegnungswoche fand im Rahmen der jährlichen Inlandskampagne der Caritas statt.

Wer helfen möchte, die Angebote der Caritas im Inland zu unterstützen, kann online spenden oder unter dem Spendenkonto: Kärntner Sparkasse IBAN: AT40 2070 6000 0000 5587 Kennwort: Inlandshilfe spenden.

Denn: Ein kleiner Beitrag von Ihnen macht einen großen Unterschied für Familien in Not!
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