Faszinierende Begegnung mit der Bibel

28.05.19 / 11:15

Caritasdirektor Josef Marketz und Diakonie-Rektor Hubert Stotter lasen in der „Lange Nacht der Kirchen“ sozialkritische Texte aus dem Alten Testament vor. Warum die Bibel auch heute noch am Puls der Zeit ist, obwohl die Texte tausende Jahre alt sind, machte der stimmungsvolle Abend in der Bürgerspitalkirche in Klagenfurt deutlich.

Die Caritas Kärnten feierte mit belesenen Gästen, ruhevollem Gesang, mundendem Wein und biblischen Köstlichkeiten eine Nacht lang die Bibel. Das geschah in der Bürgerspitalkirche in Klagenfurt. Bevor es am vergangenen Freitag (24. Mai 2019) zur faszinierenden Begegnung mit dem meistgedruckten Buch der Welt gekommen ist, stellte unser Direktor Josef Marketz den zahlreichen BesucherInnen das kleine, lange nicht zugänglich gewesene Juwel in der Nähe des Klagenfurter Doms mit all seinen Kunstwerken vor.

FürsprecherIn für die Armen

Die Bürgerspitalkirche ist dem Heiligen Sebastian geweiht. „Märtyrer Sebastian ist ebenso ein Fürsprecher für die Armen wie die Heilige Elisabeth, die Patronin der Caritas“, sagte Marketz. Er zeigte auf die Altarbilder der beiden Heiligen, die Barockmaler Josef Ferdinand Fromiller geschaffen hat. Die Kirche selbst wurde vom Jesuitenorden in den 1660er Jahren an das bereits 50 Jahre zuvor errichtete Bürgerspital angebaut, das für alte, kranke und arme Menschen bestimmt war. Marketz ist Rektor des Gotteshauses und dabei, dieses als Caritas-Kirche zu etablieren. Mit Blick auf das Fromiller-Bild „Die Ruhe auf der Flucht der Heiligen Familie“ meinte der Caritasdirektor: „Maria und Josef machen Rast auf ihrer Flucht.“ Das sei eine Ansage in der heutigen Zeit, denn: „Auch wir sind auf der Flucht – vor uns selbst, vor dem Druck, vor der Gesellschaft.“ Er lud zum Innehalten ein: „Es wird nichts passieren, wenn wir einmal rasten.“ Dazu gab es danach auch reichlich Gelegenheit. Unsere Mitarbeiterinnen Michaela Auer-Welsbach und Christine Sadnek boten nämlich Lieder und Psalmen zum Mitsingen und Erholen an.

Lesung und Harfenspiel

Danach bat Karin Teichmann-Klune von unserer Seelsorge als Organisatorin und Moderatorin dieses Abends „zwei Menschen, die lebende Symbole für den Einsatz um soziale Gerechtigkeit in unserem Land sind“ zum Mikrofon. Gemeint waren damit unser Direktor Marketz und Hubert Stotter – Rektor der Diakonie de La Tour Klagenfurt und Präsident der Diakonie Österreich. Marketz las aus dem Buch Deuteronomium – von Bibelreferenten Klaus Einspieler ausgewählte Texte – vor, Stotter aus dem Buch Amos. Dazwischen beeindruckte Elisabeth Goritschnig mit ihrem einmal ruhigem und leisem, das andere Mal temperamentvollem und ungestümem Spiel auf der Harfe – je nachdem, wie es die Worte der Vorleser verlangten.

Was das Buch Amos uns heute sagen könnte

Beim Buch Deuteronomium handelt es sich um das fünfte Buch Mose. Mose erinnert darin das Volk, wie wichtig es ist, die Gesetze Gottes zu halten. Das Buch Amos ist das älteste erhaltene eigene Prophetenbuch. Amos, der eigentlich ein Schafzüchter im Südreich Juda war, wird von Gott als sozialkritischer Prophet im 8. Jahrhundert vor Christi ins Nordreich Israel gesandt, in dem König Jerobeam II. in einer wirtschaftlichen Blütezeit das einfache Landvolk seiner Existenz „beraubte“. Für Stotter haben die von ihm vorgetragenen, auf den ersten Blick „zach“ wirkenden Amos-Texte auch in der heutigen Zeit Relevanz. Sie erinnerten ihn an seine Zeit in Äthiopien, wo er mit seiner Familie acht Jahre gelebt hat. Als er etliche Jahre später das Land besuchte, musste er feststellen, dass auf dem ehemaligen Land von Kleinbauern riesige Textilfabriken entstanden sind. „Dort arbeiten Näherinnen, die als Wochenlohn den Kaufwert eines Hähnchens bekommen, damit wir den Doppelpack T-Shirts um 11,80 Euro kaufen können“, sagte Stotter und regte zum Nachdenken an.

Bewegend und eindrucksvoll

Wilfried Hude, Ingrid Zablatnik, Paul Zablatnik, Angela Trattner, Anna und Paul Amann sowie Martin Schlosser machten mit bewegenden und eindrucksvollen Erzählungen und zum wunderbaren Gesang von Marlene Zwanzger deutlich, dass und wie sie die Bibel bewegt. Für Ingrid Zablatnik ist sie überhaupt „das Buch meines Lebens“. – Und das, obwohl die Texte tausende Jahre alt sind.

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