Hilfe, wenn die Seele schreit

09.10.19 / 15:36

Unsere TelefonSeelsorge lädt unter der Notrufnummer 142 zum Reden ein und fordert anlässlich des Tages der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober: „So wie Menschen mit einem gebrochenen Fuß medizinisch behandelt werden, muss auch eine psychische Erkrankung behandelt werden!“

Etwa jeder fünfte Mensch in Österreich hatte schon Burn-out ähnliche Zustände oder litt unter extremer Erschöpfung. Im Vorjahr ging es bei knapp 38 Prozent der Anrufe in unserer TelefonSeelsorge auch um eine seelische Erkrankung. „Die Hilfesuchenden wandten sich an uns um Unterstützung, weil sie das Leben sehr schwer bewältigen konnten. Psychische Erkrankungen zählen mittlerweile zu den führenden Gesundheitsproblemen“, sagt Silvana Fischer als Leiterin unserer TelefonSeelsorge. Und: „Eine seelische Krankheit zu haben, ist auch heute im 21. Jahrhundert noch sehr mit Scham besetzt, weil sie als persönliches Versagen erlebt wird und die Angst vor Stigmatisierung sehr hoch ist.“

Im Zeichen der Suizidprävention

Der internationale Tag der Seelischen Gesundheit, der am 10. Oktober begangen wird, soll zur Bewusstseinsbildung und Enttabuisierung beitragen. Er steht heuer im Zeichen der Suizidprävention. Suizidalität und psychische Erkrankung seien meist eng miteinander verknüpft, und so wie es im körperlichen Bereich Erkrankungen gäbe, die mit dem Tod enden, zeige oft ein Suizidversuch oder gar ein vollzogener Suizid die Dramatik der seelischen Erkrankung, so Fischer. Unsere TelefonSeelsorge unterstützt über die Notrufnummer 142 Betroffene auch anonym. „Reden hilft und trägt dazu bei, das Tabu zu durchbrechen, nämlich, dass man Schwäche zugeben und sich sogar Hilfe holen kann.“

Reden hilft

Viele psychische Erkrankungen seien heutzutage gut behandelbar. Prävention und Gesundheitsvorsorge sollte nicht nur den Fokus auf den körperlichen Teil des Menschen legen, sondern auch auf die Psyche, fordern Fischer und unsere Menschen in Krisen-Bereichsleiterin Ursula Luschnig. Letztere bricht eine Lanze für die Psychotherapie und psychosoziale Beratung. „Sie helfen dabei, die seelische Gesundheit des einzelnen zu unterstützen, sie zu stabilisieren und sie gegebenenfalls auch wieder zu erreichen. Es gilt, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Betroffenen schnell die notwendige Hilfe erhalten und mit ihren Problemen nicht allein gelassen werden. Was es braucht, sind ausreichend leistbare Angebote.“