Was wir im Miteinander bewirkt haben

18.06.20 / 11:00

Wir präsentierten unseren Wirkungsbericht 2019, legten mit großem Dank an alle Förder*innen offen, wo die 2,55 Millionen Euro an Geld- und Sachspenden eingesetzt wurden und bitten weiterhin um Unterstützung, um Menschen in Not auch in Zukunft rasch und unbürokratisch helfen zu können.

Bevor sich Martina (50) an die Sozialberatung der Caritas gewandt hatte, sah sie im Leben keinen Sinn mehr. Denn durch einen schweren Unfall konnte die leidenschaftliche Lkw-Fahrerin über Nacht ihren Beruf nicht mehr ausüben, verlor ihren Arbeitsplatz und geriet in finanzielle Not. „Bei der Sozialberatung gab es sofort Unterstützung. Ich habe lang gekämpft, dank Gesprächen und Hilfe neuen Lebensmut gefasst und freue mich auf die neue Wohnung“, sagt Martina. Das ist eine Geschichte gelungener Hilfe aus dem Wirkungsbericht 2019, der nun in gedruckter und digitaler Form vorliegt. Er zeigt nicht nur, wie wir wirken, sondern gibt auch einen transparenten Einblick in die Verwendung der Spendenmittel.

Die Wirkung der Caritas

Im Berichtszeitraum 2019 waren laut EU-SILC-Studie 94.000 Menschen in Kärnten oder 17 Prozent der Einwohner*innen Kärntens armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Das sind um ein Prozent mehr als 2018. Dass die Not im Land ungebrochen ist, registrieren auch wir. 6.492 Menschen, davon 2.590 Kinder, mussten via Sozialberatung und -hilfe im Vorjahr finanziell unterstützt werden. „Während die Antragstellungen gegenüber 2018 leicht rückläufig waren, hatten wir im Vorjahr eine Zunahme bei der Sozialhilfe um 23 Prozent und bei den Beratungen um 7 Prozent. Wir betreuen intensiver, auch weil die Problemlagen komplexer geworden sind,“ weiß unser Direktor Ernst Sandriesser, der Anfang des Jahres dem jetzigen Bischof Josef Marketz als Direktor nachgefolgt ist. Um 6,42 Prozent zugenommen haben auch die hilfesuchenden Menschen in der Familien- und Lebensberatung sowie Männer- und Suchtberatung. 5.603 Männer und Frauen ließen sich in 20.920 Gesprächen beraten beziehungsweise nahmen Psychotherapien in Anspruch. 14.245 Mal klingelte das Telefon in der TelefonSeelsorge. Die half 227 Mal auch via Online- und Chatberatung.

Wer Hilfe gebraucht hat

Es sind vor allem Alleinerzieher*innen, Familien mit mehreren Kindern, ältere, körperliche oder psychisch kranke Menschen, die finanziell nicht über die Runden kommen, denen das Geld für Wohnen, Essen und Bekleidung fehlt. Wir haben den Hilfesuchenden rasch und unbürokratisch geholfen: unter anderem mit fast 180.000 Euro Überbrückungshilfen – 809 Fälle – allein fürs Wohnen und mit Bekleidungsgutscheinen im Wert von 325.000 Euro. 6.935 warme Mahlzeiten und 8.721 Beratungen gab es für die täglich 62 Besucher*innen in der Wohnungslosentagesstätte „Eggerheim“. Wir sind auch in der Katastrophenhilfe im Lånd aktiv. Sie war nach den verheerenden Unwettern im Vorjahr für betroffene Familien in Oberkärnten da und stellte sich bei ihnen mit Soforthilfen in der Höhe von 89.200 Euro ein.

Sparsam, aber effektiv

Wenn wir Not sehen, handeln wir – mit Unterstützung von 666 Freiwilligen, 6.602 Spender*innen, engagierten Unternehmen und Kooperationspartner*innen im vergangenen Jahr. Sandriesser und die kaufmännische Geschäftsführerin Marion Fercher danken für deren Vertrauen. „Sie ermöglichen es uns erst, Menschen in Not zu helfen und zu begleiten!“ Wir sind nicht nur eine Hilfsorganisation, sondern auch ein Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Pflege, Menschen mit Behinderung, Schulen und Kinderbetreuung. „Wir haben 2019 in allen Bereichen mehr als 46,4 Millionen Euro eingesetzt. Die Kosten für die Administration betragen nur schlanke 4,57 Prozent“, sagt Fercher. Und: „Die Verwendung der Mittel wird mehrfach überprüft. Wir garantieren einen verantwortungsvollen Umgang damit.“ 2019 sind 2,55 Millionen Euro an Geld- und Sachspenden bei uns eingegangen. Mehr als 1,8 Millionen Euro wurden für Menschen in finanziellen, sozialen und seelischen Notlagen ausgegeben. 660.000 Euro wurden von den Spender*innen für Ernährungs- und Bildungsprojekte der Auslandshilfe zweckgewidmet.

„Jeder Mensch ist relevant“

Mit Stand 15. Juni 2020 sind 25.174 Menschen in Kärnten arbeitslos gemeldet und 68.336 Menschen in Kurzarbeit: Wir erwarten eine Verschärfung der Armutssituation in Folge der Corona-Pandemie – dann nämlich, wenn der Mietaufschub beendet und das Sparguthaben aufgebraucht sind sowie die Kurzarbeit ausläuft. Allein ein Drittel der rund 600 Menschen, die sich seit Ausbruch der Krise bis Mitte Mai trotz eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten an uns gewandt haben, waren noch nie in Kontakt mit ihr. Um 100 Prozent zugenommen hat in diesem Zeitraum mit 337 Beratungen die Suchtberatung. Dass die Not groß ist und sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt verschärft haben, beweist, dass allein im Mai 2020 die Neuanträge um Sozialhilfe bei Männern um 137 Prozent gestiegen sind. – Und das, obwohl Männer normalerweise weniger offensiv um Hilfe bitten als Frauen.

„Neben Arbeitslosigkeit sind Einsamkeit und Isolation die verheerenden Nebenwirkungen von Covid-19. Deshalb muss uns in Zukunft etwas Besseres einfallen als social distancing und Besuchsverbote“, ist Direktor Sandriesser überzeugt. Er rechnet damit, dass die soziale Ungleichheit in Folge der Pandemie zunehmen wird. „Deshalb mag ich das Wort systemrelevant nicht. Es gibt keine irrelevanten Menschen. In jeder Familie ist der Vater oder die Mutter, der/die seinen/ihren Job verliert, systemrelevant!“

Gute Jobchancen im Sozialbereich

Die hohe Arbeitslosigkeit könnte eine Chance für die Pflege sein, die unter einem akuten Fachkräftemangel leidet. Unsere Schulen, an denen es noch freie Plätze für das kommende Schuljahr gibt, bereiten auf soziale Berufe vor und bilden mit Fach-/Diplomsozialbetreuer*innen in der Altenarbeit inklusive Pflegeassistenz und Fach-/Diplomsozialbetreuer*innen in der Behindertenbegleitung die Fachkräfte von morgen aus. Wer Erfahrungen im Sozialbereich sammeln will, ist aber auch als Zivildiener bei uns herzlich willkommen.

Die Herausforderungen der Zukunft

Direktor Sandriesser kann sich bei der Arbeit für die Menschen auf über 900 hauptamtliche Mitarbeiter*innen verlassen. Mit Blick auf das 100-Jahr-Jubiläum, das im kommenden Jahr gefeiert wird, sagt er: „Seit 99 Jahren stehen wir auf der Seite der Menschen, die sich selber nicht helfen können. Die Problemlagen und die Ursachen für die Not ändern sich wie im letzten Jahr die Unwetteropfer in Oberkärnten.“ Sandriesser appelliert gemäß dem Caritas-Motto „Wir>Ich“ an die Solidarität aller, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu meistern. „Klimawandel und Unwetter werden uns in den nächsten 100 Jahren noch stärker als bisher herausfordern und global zur alles bestimmenden sozialen Krise des Jahrhunderts werden. Daher unterstütze ich den Aufruf der Religionen für das Klimavolksbegehren. Und ich bitte alle Kärntnerinnen und Kärntner, die Arbeit der Caritas zu unterstützen!“

Online-Wirkungsbericht

Mit ganz persönlichen Geschichten und Einblicken nehmen wir Sie auf eine Reise durch die Caritas Kärnten mit und zeigen Ihnen, wie unsere Arbeit wirkt und was Ihre Spende bewirkt.