Jeder Euro = Hilfe gegen Armut

04.11.20 / 11:50

Foto: SPAR/gleissfoto

Weil die Corona-Krise die Not in Kärnten verschärft, will die Caritas 1.000 Einkaufswägen für armutsbetroffene Familien mit dem Nötigsten füllen. Unser Direktor Ernst Sandriesser appelliert an die Kärntnerinnen und Kärntner, Zusammenhalt und Solidarität zu leben: „Aus der Corona-Krise darf keine soziale werden! Unterstützen wir Menschen, die um ihre Existenz fürchten!“ Schon 40 Euro reichen, um einer Familie in Not ein volles Einkaufswagerl zu schenken. SPAR Kärnten und Osttirol macht den Anfang und spendet die ersten 100.

So wie Susanne S.* (Name geändert) geht es vielen Menschen in Kärnten: Die junge alleinerziehende Mutter von zwei Kindern im Alter von 13 und 11 Jahren verlor im Zuge der Corona-Krise ihren Job. Ihr Arbeitgeber hatte die Frau, die Anfang dreißig ist und seit Kurzem in der Gastronomie tätig war, zu Beginn des Lockdowns gekündigt. „Mir ist es peinlich und unangenehm, mich an euch zu wenden. Ich habe es bis jetzt stets allein geschafft. Irgendwie ging es immer“, schilderte sie der Sozialberaterin am Telefon ihre Situation. Doch diesmal sah sie sich nicht mehr aus. Mit ihrem Arbeitslosengeld, das viel geringer als ihr Lohn ist, schaffte sie es nur noch knapp, über die Runden zu kommen. Daher wandte sie sich an die Caritas: „Die Beraterin war sehr nett. Wir haben uns gemeinsam meine Situation angesehen. Letztlich hat mir die Caritas bei der Miete geholfen“, sagt Susanne S. erleichtert.

Kinder satt machen

Viele Kärntnerinnen und Kärntner kennen das: Die Stromrechnung ist überfällig. Ein kaputter Kühlschrank reißt plötzlich ein Loch ins Familienbudget. Das Geld reicht am Ende des Monats kaum noch für das Lebensnotwendige. Immer mehr Menschen fragen bei der Caritas um Hilfe für Lebensmittel an. Daher hat sich die Hilfsorganisation zum Ziel gesetzt, 1.000 Einkaufswagen für armutsbetroffene Familien mit Lebensmitteln und Artikeln für die Grundbedürfnisse zu füllen. Unser Direktor Ernst Sandriesser richtet sich mit einem eindringlichen Appell an die Kärntner Bevölkerung: „Der Gedanke, dass Eltern vor einem leeren Kühlschrank stehen und ihren Kindern nicht ausreichend zum Essen geben können, ist für mich erschreckend. Helfen Sie uns bitte dabei, die Einkaufswägen und damit die Kühlschränke der Familien in Not zu befüllen.“ Schon mit 40 Euro ist das möglich. SPAR Kärnten und Osttirol macht den Anfang und spendet die ersten 100 Einkaufswägen. Für Geschäftsführer Paul Bacher ist das Engagement selbstverständlich: „Wir freuen uns, als SPAR Kärnten und Osttirol in der Corona-Krise einen wichtigen Beitrag leisten zu können.“

Verschärfte Situation für Männer

94.000 Menschen oder 17 Prozent der Einwohner*innen Kärntens sind laut aktueller EU-SILC-Studie armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Viele befanden sich schon vor der Corona-Krise in einer Notsituation. Jobverlust, Kurzarbeit, Home-Schooling: Die Pandemie hat die Not in Kärnten verschärft. 22.544 Menschen waren im September 2020 arbeitslos oder in Schulungen. Erstmals sind es mehr Männer als Frauen. „Auch bei uns ist dieser Trend spürbar. Männer, die tendenziell für gewöhnlich weniger schnell Hilfe in Anspruch nehmen, wenden sich immer häufiger an uns, was auch auf eine verschärfte Situation am Arbeitsmarkt schließen lässt“, sagt unser Direktor. „Während wir nach dem Lockdown von einem Drittel Neuanträge sprachen, stehen wir derzeit bei knapp der Hälfte.“ Von den 2.279 Hilfsanträgen im heurigen Jahr (Stichtag 18. Oktober) stammen 1.127 von Menschen, die noch nie die Hilfe unserer Sozialberatungsstellen gebraucht haben. Markant: Wiederum die Hälfte der Neuanträge haben Männer gestellt. Das ist eine Steigerung von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

So hilft die Caritas

Heuer haben bereits 5.669 Menschen – unter ihnen 2.300 Kinder – bei der uns Hilfe erhalten: vor allem in Form von Lebensmittelgutscheinen oder Mietzuschüssen. So sind vom 1. Jänner bis 18. Oktober 2020 die Mietzuschüsse um 43 Prozent auf insgesamt rund 65.000 Euro und die Unterstützung mit Lebensmittelgutscheinen um 90 Prozent auf insgesamt fast 38.000 Euro angestiegen. Wir versorgen die hilfesuchenden Menschen aber auch über ihre Lebensmittelausgabe LEA direkt mit Lebensmitteln. „In unserer LEA beobachten wir seit Corona eine deutliche Zunahme an Anfragen. Um die Schutzmaßnahmen einhalten zu können, wurde die Ausgabe während des Lockdowns auf Terminvergabe umgestellt. Wir können jetzt 550 Menschen pro Woche mit Lebensmitteln versorgen. Es kommen vermehrt Kleinunternehmer*innen und Familien zu uns, die während der Pandemie ihre Arbeit verloren haben“, weiß Sandriesser.

Lebensmittelspenden erbeten

Um Menschen zu helfen, für die ein leerer Einkaufswagen leider Realität ist, veranstaltet die youngCaritas wieder ihre „Aktion Kilo gegen Armut“, an der sich viele Schulen beteiligen. Coronabedingt wird auf das persönliche Abgeben der Lebensmittelspenden auf dem Heuplatz in Klagenfurt heuer allerdings verzichtet. Stattdessen gibt es einen Abholservice für die Bildungseinrichtungen. Die dringend benötigten Lebensmittel können überdies in der Wohnungslosentagestätte „Eggerheim“ in der Kaufmanngasse 6 in Klagenfurt am Donnerstag, 5. November 2020, von 8 bis 16 Uhr abgegeben werden.

Kritische Phase steht bevor

Direktor Sandriesser rechnet in den kommenden Wochen und Monaten mit einer kritischen Phase. Sandriesser: „Wir werden einen langen Atem brauchen! Die Stundungen und Delogierungsverbote vom Frühling haben viele arbeitslos gewordene Menschen vor akuter Not und Wohnungsverlust bewahrt. Doch für jene, die keine Arbeit finden konnten, ist das Problem der fälligen Rechnungen mit voller Wucht zurück. Hier braucht es wieder eine gemeinsame Lösung von Politik und Wirtschaft. Hier braucht es Zusammenhalt und Solidarität! Unterstützen wir all jene, die um ihre Existenz fürchten!“

Mit 40 Euro schenken Sie einer armutsbetroffenen Familie einen vollen Einkaufswagen: Spenden können Sie auf das Spendenkonto der Caritas Kärnten
Kärntner Sparkasse
IBAN: AT40 2070 6000 0000 5587
Spendenzweck: Inlandshilfe
oder gleich online