„Es braucht eine Beschäftigungsoffensive“

30.04.21 / 11:56

Direktor Ernst Sandriesser fordert im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ein Arbeitslosengeld, das Armut verhindert, und Maßnahmen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit.

Die Pandemie hat eine Rekordarbeitslosigkeit ausgelöst. Noch immer sind in Österreich rund 950.000 Menschen arbeitslos, in Schulung oder zur Kurzarbeit angemeldet und befinden sich dadurch zum Teil in existenzbedrohender Lage. Fast 25.000 Menschen sind in Kärnten laut AMS im März 2021 arbeitslos. „In unseren vier Sozialberatungsstellen in Kärnten helfen wir Menschen, die nicht wissen, wie sie am Endes des Monats ihre Rechnungen bezahlen sollen. Aus den Gesprächen wissen wir, wie wichtig Arbeit im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Teilhabe ist. Viele Menschen, die ihren Job verlieren, schämen sich und leiden unter psychischen Belastungen“, sagt unser Direktor Ernst Sandriesser. Menschen (wieder) in Beschäftigung zu bringen, sei daher Gebot der Stunde. Sandriesser fordert anlässlich des Tages der Arbeitslosen am 30. April von der Politik eine Beschäftigungsoffensive und für jene, die zurzeit keine Arbeit finden, eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf ein existenzsicherndes Niveau und eine armutsfeste Sozialhilfe.

Langzeitarbeitslosigkeit als besondere Herausforderung

Besonders besorgt zeigt sich die Caritas über die starke Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit. Laut AMS-Bericht vom März 2021 gibt es in Kärnten über alle Personengruppen hinweg eine massive Zunahme bei den Langzeitarbeitslosen auf 6.075 Vorgemerkte (+2.414/+65,9 Prozent). Sandriesser fordert zusätzliche öffentliche Investitionen, um dringend benötigte Arbeitsplätze in Unternehmen, Gemeinden sowie im gemeinnützigen Bereich zu schaffen. Außerdem: „Unsere Erfahrung zeigt, dass es gerade für von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Menschen zielgruppenspezifische und langfristige Beschäftigungsmaßnahmen braucht, um sie bei ihrer Rückkehr in die Erwerbsarbeit zu unterstützen. Vor allem eine individuelle Betreuung je nach Fähigkeiten der Beschäftigten ist von nachhaltiger Bedeutung“, so der Caritasdirektor.

So hilft die Caritas

Wir unterstützen seit 2016 langzeitarbeitslose Menschen mit unterschiedlichen Projekten, die zum Ziel haben, die Betroffenen auf den regulären Arbeitsmarkt zu vermitteln. So betreibt die eigens gegründete „Perspektive Handel Caritas GmbH“ in Villach einen SPAR-Supermarkt als sozialökonomischen Betrieb. Menschen der Gruppe 50 plus und Langzeitarbeitslose können im Rahmen von einem befristeten Dienstverhältnis jene Qualifikationen erwerben, die im Betrieb erforderlich sind und haben dadurch höhere Chancen, später in eine Festanstellung übernommen zu werden. Das Unternehmen wiederum profitiert von praxisnah ausgebildeten Mitarbeiter*innen. Auch das magdas LOKAL in Klagenfurt gehört zu jenen Projekten, die Menschen Chancen geben und ermöglicht als Ausbildungslokal Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund einen Einstieg in die Gastronomiebranche. Sandriesser: „Zudem erhalten die Menschen bei uns bei Bedarf eine begleitende Beratung und Therapie sowie sozialpädagogische Unterstützung. Auch unsere Caritas-Läden, die carlas, entwickelten sich von einer Kleiderausgabestelle zu einem Ort der Begegnung und bieten heute auch Beschäftigung für langzeitarbeitslose Menschen.“

Neue Projekte, neue Perspektiven

Einen ersten und besonders niederschwelligen Zugang zur Beschäftigung ermöglichen unsere beiden neuen Projekte: Das kürzlich gestartete Gartenprojekt „grown.care“ bietet beschäftigungslosen Frauen und Männern eine stundenweise Beschäftigung. Beim demnächst in Betrieb gehenden Projekt „brücken.werk“ können arbeitslose junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren stunden- und fallweise einer Tätigkeit nachgehen, Beratungen in Anspruch nehmen, etwas dazu verdienen, neue Arbeitsbereiche kennenlernen und damit Struktur und neue Perspektive für ihre Lebenssituation erlangen.