Die Lerncafés als Ferncafés

06.05.20 / 12:05

27 freiwillige Lernhelfer*innen, wie der Infineon-Ingenieur Ralf Walter oder der Pensionist Wolfgang Wögerer, begleiten 65 Kinder und Jugendliche der beiden Villacher Lerncafés auch im Ausnahmezustand und freuen sich über manch „Schüler-Wunder“.

Trotz Lockerungsmaßnahmen bleiben Corona-bedingt die Volks- und Neuen Mittelschulen noch bis Mitte Mai zu. Wer schulpflichtige Kinder hat oder selbst in Ausbildung ist, weiß um die damit verbundene Belastung. Weil Unterstützung von Schüler*innen und deren Eltern gerade beim „Homeschooling“ wichtig ist, wurden unsere zwei Lerncafés in Villach kurzerhand in Ferncafés verwandelt. Lernunterstützung, Ermutigung, Beratung – was vor der Covid-19-Pandemie „face-to-face“ erfolgte, geschieht jetzt über Telefon und digitale Medien.

Freude und Spaß am Lernen vermitteln

27 freiwillige Lernhelfer*innen betreuen die Kinder und Jugendlichen am virtuellen Schreibtisch weiter, wie Ralf Walter. Er ist einer von neun Infineon-Lernhelfer*innen im Lerncafé Infineon, das wir in Kooperation mit dem gleichnamigen Halbleiterhersteller seit Jahresanfang in der Draustadt betreibt. Walter engagiert sich gerne und mit Begeisterung. Er sieht Parallelen zu seinem Beruf als Ingenieur bei Infineon: „Auch hier geht es darum, Wissen zu verarbeiten und mit Menschen an gemeinsamen Zielen zu werken.“ Walter hilft zwei Volksschulkindern nicht nur beim Erlernen des Unterrichtsstoffs, sondern auch beim Sprachenerwerb. Und staunt, was die Buben, denen er Spaß am Lernen vermittelt und die er fördert, zu leisten imstande sind. „Es ist unglaublich, wieviel Fortschritt es bei ihnen schon alleine in einer Woche geben kann. Das motiviert auch mich für meinen weiteren Einsatz als Lernhelfer“, so Walter.

Bildung als Türöffnerin

Gleich zwölf Schüler*innen begleitet der langjährige freiwillige Lernhelfer Wolfgang Wögerer in Corona-Zeiten im Lerncafé Villach und im Lerncafé Infineon. „Sie bekommen durchschnittlich 25 Übungen pro Tag, jede mir übermittelte Übung und Aufgabe wird als korrigiertes Dokument an die Kinder zurückgesendet und am Rechner gespeichert.“ Dieser Herausforderung begegnet der 67 Jahre alte Villacher mit viel Motivation: „Das Angenehme an dieser Aufgabe sind die Bereitschaft, der Fleiß und die Dankbarkeit der meisten Schüler und Schülerinnen“. Wögerer hat vor seiner Pensionierung als Geschäftsführer eines Tochterunternehmens der Voest Alpine sehr viel im Ausland gearbeitet und weiß, dass Bildung für ein gelingendes Leben eine wichtige „Türöffnerin“ ist.

Online- oder telefonische Begleitung

Isabella Lobnig als hauptberufliche Leiterin der beiden Lerncafés dankt allen freiwilligen Lernhelferinnen und Lernhelfern, die den Mädchen und Buben auch in dieser herausfordernden Zeit Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und damit Freude am Lernen vermitteln, für ihr großes Engagement. Sie sagt: „Wir haben mit den Eltern der 71 Kinder und Jugendlichen, die bei uns vor dem Lockdown nachmittags betreut wurden, Gespräche geführt. 65 Kinder werden zurzeit online oder telefonisch begleitet, bekommen weiterhin die gewohnte Unterstützung und können sich für die von der Schule übermittelten Aufgaben Hilfe holen. Der Rest der Kinder wird von den Eltern oder älteren Geschwistern betreut.“

Wir betreiben in Kärnten insgesamt sechs Lerncafés, von denen jetzt fünf als sogenannte Ferncafés geführt werden. Insgesamt werden rund 200 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 15 Jahren von (erfreulicherweise stets steigenden) 150 freiwilligen Lernhelfer*innen beim Lernen, bei den Hausaufgaben und der Vorbereitung für Schularbeiten kostenlos unterstützt.