Dürre, Flut und Heuschrecken in Kenia

Foto: PACIDA

In Kenia kommt es wiederholt zu Hungerkrisen auf Grund von verschiedenen Naturkatastrophen. Besonders seit der dürrebedingten Hungerkrise 2017 unterstützt die Caritas hier Bedürftige mit Akut- und Aufbauhilfe, vorrangig in Marsabit, einer der am stärksten betroffenen Regionen im Norden des Landes. 2019 führte eine Dürre erneut zu weit verbreiteter Unterernährung, insbesondere bei Kindern, und am Ende des Jahres Starkregenereignisse zu Überflutungen in der Region. Das Jahr 2020 begann mit einer Heuschreckenplage verheerenden Ausmaßes. Die Menschen in Marsabit benötigen weiterhin unsere Solidarität und Hilfe.

In Marsabit leben mehrheitlich Nomaden, deren Lebensweise von der Viehwirtschaft geprägt ist. 80% der Bevölkerung lebt von der Viehwirtschaft, 16% von der Landwirtschaft. Die Nomaden ziehen mit ihren Tieren von Weidefläche zu Weidefläche, von einer Wasserstelle zur nächsten. Wasser bedeutet Leben für Tier und Mensch. Mit dem Sterben ihrer Tiere während der Dürrekrise 2017 büßten viele Nomaden ihre Lebensgrundlage ein. Denn die Tiere geben nicht nur Milch und Fleisch, sondern sind oft auch die einzige Einkommensquelle der Familien. Am Höhepunkt der Krise 2017 halfen wir mit Nahrungsmittellieferungen und Wasserversorgung. 2018 standen Investitionen in die lokale Schulinfrastruktur und die Verteilungen von Nutztieren an die von der Dürre am stärksten betroffenen Familien im Vordergrund. Damit konnte ein Beitrag zum Wiederaufbau der Lebensgrundlage geleistet werden.

Während des Jahres 2019 kehrte die Dürre in die Region zurück. Ende 2019 kam dann der langersehnte Regen, allerdings teilweise in Form von Starkregenereignissen, die keine Erleichterung der Situation brachten. Überschwemmungen führten zur Zerstörung von lokaler Infrastruktur. Wir unterstützten 400 Haushalte mit Essensgutscheinen, um die akute Notsituation zu lindern.

Das Jahr 2020 brachte nun eine erneute Plage: Schwärme von Wanderheuschrecken gefährden die ohnehin spärlichen Ernten der lokalen Bauern und die gerade ergrünten Weideflächen werden von den Schwärmen abgefressen.

Wir dürfen die Menschen jetzt nicht im Stich lassen!

Wie wirkt sich die Heuschreckenplage auf die Menschen vor Ort aus?

Die Auswirkungen der Heuschreckenplage ist für die Menschen vor Ort verheerend. Die hereinbrechenden Schwärme können so dicht sein, dass sich der Himmel geradezu verdunkelt. Ein einziger Schwarm kann die Ernährungsgrundlage der betroffenen Bauern über Monate hinweg zerstören. Am Ende des letzten Jahres kam zwar der langersehnte Regen, aber eben in Form von Starkregenereignissen, was zu Überschwemmungen führte und Zerstörung von lokaler Infrastruktur und Häusern bewirkte. Nichtsdestotrotz hat dieser Regen den Anbau ermöglicht und die Weideflächen für die Viehherden hatten sich wieder regeneriert. Die Bevölkerung konnte sich gerade von den Auswirkungen der letzten Dürre erholen und die Landwirte hofften schon auf gute Ernten. Der Regen brachte aber auch außerordentlich gute Brutbedingungen für die Wanderheuschrecken, was zur aktuelle Krise führte. Die Heuschreckenplage ist die größte in Kenia seit den 50er Jahren. Eine Plage in dieser Größenordnung nimmt Mensch und Tier sämtliche Ernährungsgrundlagen. Die Ernährungssituation in den kommenden Monaten könnte sich in der Region erheblich verschlimmern.

Was kann derzeit konkret dagegen getan werden?

Die einzige effektive Möglichkeit ist in diesem Stadium der Plage nur noch das Sprühen von Pestiziden aus der Luft. Diese Maßnahmen werden in Kenia durch die Regierung durchgeführt. Die Regierung kämpft aber bereits mit ersten Engpässen bei den Pestiziden, weil das Ausmaß der Plage verständlicherweise die Behörden aufs Äußerste fordert. Eine weitere Herausforderung ist die Koordination der Einsätze. Wo befinden sich wann die Heuschreckenschwärme und wie kann man bei solchen Einsätzen sicherstellen, dass die lokale Bevölkerung geschützt ist. Dazu benötigt es eine effektive Kommunikation zwischen der betroffenen Bevölkerung und den Behörden. Unser lokaler Partner PACIDA steht hier in ständigem Austausch mit der lokalen Bevölkerung und der Regierung um einen guten Informationsfluss zu unterstützen. Unsere Partner erfassen hierbei auch systematisch, wo was abgefressen wurde, damit eine gute Dokumentation der Schäden vorliegt. Ein solches 'Emergency Preparedness Mapping' ist extrem wichtig, damit Nothilfe in den kommenden Monaten effektiv umgesetzt werden kann.

  • Heuschreckenplage 2020 © PACIDA

  • Heuschreckenplage 2020 © PACIDA

  • Heuschreckenplage 2020 © PACIDA

  • Heuschreckenplage 2020 © PACIDA

  • Wasserversorgnung während der Dürre 2019

  • Wasserversorgnung während der Dürre 2019

  • Wasserversorgnung während der Dürre 2019

  • Wasserversorgnung während der Dürre 2019

  • UNIMIX Verteilung in North Horr, Marsabit (2017) © Raphael Thurn

  • Nahrungsmittelverteilung in Qorqa, Marsabit (2017) © Raphael Thurn

Bitte spenden Sie für die von Katastrophen gebeutelte Region!