Kindergartenfonds

Der Kindergarten ist ein Platz der Begegnung. Miteinander spielen, durch Nachahmung voneinander lernen, durch Experimentieren die Lebenswelt erkunden und sich auf die Schule vorbereiten: All das können die Kinder kaum anderswo besser als im Kindergarten – vorausgesetzt die Eltern können sich den Beitrag leisten. Doch immer öfters scheitert es genau daran, weil die Armut in Kärnten steigt.

Im Kindergarten wird neben einem Erziehungsauftrag auch der gesellschaftlich geforderte frühkindliche Bildungsauftrag umgesetzt. Den Kindern selbst bietet sich die Chance, im Umgang mit anderen Kindern alle jene wichtigen Eigenschaften einer frühkindlichen Charakterbildung zu erwerben, die für eine gelingende Integration wichtig sind: Das betrifft das Bewältigen von Konflikt- und Konkurrenzsituationen ebenso wie das Erlernen von Teamarbeit und das gemeinsame, auf Freundschaft basierende kreative und spielerische Tun.

Kinder entwickeln im Kindergarten wie nebenbei ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten. Durch die verschiedensten Angebote der Förderung wie Sprach- und Rechenspiele, Musikinstrumente, Sportgeräte oder Mal- und Bastelmaterial bilden sich nach und nach kompetente Merkmale aus. Diese helfen den Kindern dabei, den Heraus- forderungen des Lebens gut gewappnet und zuversichtlich entgegen zu treten.

Das Projekt Kindergartenfonds der Caritas möchte jenen Menschen die Möglichkeit zur Integration bieten, welche sich die Kindergartenbeiträge finanziell nicht leisten können. Gerade Flüchtlingskinder sind auf Grund der nicht vorhandenen finanziellen Mittel ihrer Eltern von vorneherein vom Kindergartenbesuch ausgeschlossen. Hier ist Hilfe dringend notwendig.

Der dreijährige Odai* wohnt mit seinen Eltern und den zwei Geschwistern seit einem Jahr in einer kleinen Gemeinde in Kärnten. Die Familie ist froh und sehr dankbar, in Frieden und Sicherheit leben zu dürfen. Der Kontakt zur heimischen Bevölkerung fällt der Familie aber nicht leicht. Die Sprachkenntnisse werden zwar laufend besser, sind aber noch unzureichend und das Gefühl nicht willkommen zu sein, wiegt schwer. Die Kindeseltern ziehen sich zurück und nehmen am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde nicht teil. Odai spürt das. Er findet Gefallen am Umgang mit allen Kindern, ihm bereitet die Sprache wenig Probleme und er geht auf andere Kinder ganz natürlich zu. Er weiß mittlerweile dass die meisten Kinder den Kindergarten besuchen und möchte selbst auch dorthin gehen. Für Odai, aber auch für seine Eltern wäre ein Kindergartenbesuch ein Fortschritt und ein weiterer wichtiger Weg in Richtung Integration.

Die fünfjährige Mia* hat durch einen Unglücksfall ganz plötzlich ihren Vater verloren, seit dem Tod des Ehegatten ist die Mutter von Mia daher auf sich alleine gestellt. Mia findet viel Trost wenn sie vom Kindergarten und ihren Freundinnen dort erzählt. Trotz ihrer Trauer huscht ihr ein Lächeln über das Gesicht, während sie mit Nina* und Lilly* im Einkaufsladen spielt. Der gemeinsame Tanz und das Singen bereiten ihr sichtlich Freude. Hier – in einem Kindergarten der Caritas in Kärnten – hat das Einzelkind das Miteinander mit anderen Mädchen und Buben gelernt. Gerade diese Lebenswelt mit ihrer täglichen Routine bietet der kleinen Mia neben all den positiven Effekten eines Kindergartens den so notwendigen Halt angesichts des Verlustes ihres Vaters. Die Mutter konnte sich den Kindergarten aus eigener Kraft nicht mehr leisten. Wären da nicht die vielen helfenden Hände gewesen, hätte Mia von ihren Freundinnen und Gefährten Abschied nehmen müssen.

Die Schicksale von Mia und Odai mögen Einzelschicksale sein. Insgesamt gesehen häufen sich jedoch die Fälle, dass sich Eltern den Kindergartenbeitrag nicht (mehr) leisten können. „Viele Menschen sind arbeitslos, verschuldet oder krank“, weiß Christian Eile, Bereichsleiter für Menschen in Not der Caritas Kärnten. „Nicht wenige fragen bei uns um Finanzierung des Kindergartenbeitrages an“, meint er.

Das Kindergartenreferat der Caritas Kärnten betreut 95 katholisch-kirchliche Kindergärten, Kindertagesstätten, Horte und Lerncafés. Mit Stand Oktober 2015 haben 4.715 Kinder diese Einrichtungen besucht. Angesichts der Vielzahl an Aufgaben kann die Caritas Kärnten allein die Kosten für die Elternbeiträge nicht bewältigen. Um allen einheimischen Kindern in Notlagen und auch Flüchtlingskindern den uneingeschränkten Zugang in diese Bildungseinrichtungen zu ermöglichen, hat die Caritas Kärnten einen Kindergartenfonds eingerichtet.

„Bildung beugt Armut vor“ bekräftigt Caritas-Direktor Dr. Josef Marketz und bittet um tatkräftige Unterstützung. Der Kindergartenfonds wird Eltern aus benachteiligten Familien finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, damit diese den Kindergartenbesuch bezahlen können. Durch die jüngsten konjunkturellen Entwicklungen, aber auch durch die stark gestiegene Anzahl von Menschen auf der Flucht benötigen immer mehr Kindeseltern Unterstützung. In ganz Kärnten sieht die Caritas daher einen Handlungsbedarf. Je früher eine gute Integration und adäquate Sozialisation der Kinder ermöglicht werden kann, desto besser sind die Chancen auf einen guten Bildungsabschluss und somit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Nun kommt es besonders darauf an, möglichst allen Kindern einen Platz im nächsten Kindergarten zur Verfügung stellen zu können.

Die durchschnittlichen Kosten eines monatlichen Kindergartenbesuches auf Halbtagesbasis belaufen sich auf 90,- Euro. Mit Ihrer Spende können Sie einem Kind den Besuch eines Halbtageskindergarten ermöglichen.

Sie wollen den Kindergartenfonds unterstützen?
Dann spenden Sie doch bitte mit dem Kennwort: Kindergartenfonds

* (Name geändert)