Reportage: Ausbildung als Schlüssel für eine gute Zukunft

01.02.18 / 14:44

Caritasdirektor Josef Marketz kehrte mit vielen Gedanken, Texten und Bildern aus Jordanien zurück. Dort besuchte er ein Projekt der Caritas Kärnten, das rund 280 syrischen Flüchtlingskindern Schulausbildung und damit gute Perspektiven für die Zukunft bietet.

AMMAN. Kinderlachen dringt aus der kleinen Wohnung inmitten eines Vororts von Amman. Der Tee duftet stark und würzig. Die Mutter hat ihn gekocht. Sie und ihre Kinder sind neugierig und etwas aufgeregt wegen des ausländischen Besuchs.

Eines der Kinder ist Rahad*, ein achtjähriges Mädchen. Sie erzählt Caritasdirektor Josef Marketz und Theresa Sacher von der Auslandshilfe der Caritas Kärnten von „ihrer“ Schule, von den Freundinnen, die sie dort gefunden hat, von den LehrerInnen und dem Unterricht, der ihr sichtlich große Freude bereitet. Auch die Mutter erzählt von ihren Freuden und Sorgen, die – aufs erste – vergleichbar sind mit denen von Müttern auf der ganzen Welt. Privat und verborgen bleiben in diesem Moment ihre Erinnerungen und Gedanken an den Krieg, an die zerstörte Heimat und die vielen erlittenen Verluste. Ihre Ansprechpartner von der Caritas vor Ort wissen auch darüber Bescheid.

Rahad erklärt inzwischen, warum ein Stern ihre Stirn ziert, „weil ich so gut arabisch gelesen hab´,“ sagt sie stolz und erzählt noch mehr – Einblicke in eine helle Gegenwart. In „ihrer Schule“, erklärt sie, kann sie auch dann reden „wenn sie über etwas traurig ist“. Sie und rund 280 weitere Flüchtlingskinder, die Syrien mit ihren Familien verlassen mussten, werden in Amman in zwei Schulen, die von der Caritas Kärnten unterstützt werden, unterrichtet. Jordanien ist in Größe und Einwohnerzahl mit Österreich vergleichbar, hat aber in den letzten Jahren mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Der Staat bemüht sich, indem er neue Schulplätze schafft und sofortige Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge im Niedriglohnsektor legalisiert. Ohne internationale Programme könnten diese Herausforderungen nicht gestemmt werden.

Keine verlorene Generation

Rahad und ihre Geschwister besuchten ein Jahr lang überhaupt keine Schule. Jetzt sind die Schulplätze der Kinder innerhalb des Programms gesichert. Das Konzept ist klar strukturiert: Die Kleinsten werden im Kindergarten auf die Schule vorbereitet. Jene Kinder, die noch keinen Platz in öffentlichen Schulen bekommen haben, erfahren in einem „Überbrückungsunterricht“ eine Einbegleitung in den Schulalltag. Zudem gibt es Nachhilfeunterricht und psychosoziale Betreuung. Neben dem Lehrpersonal helfen SozialarbeiterInnen und PsychologInnen den Kindern, mit ihren Erinnerungen an den leidvollen Krieg, die zerstörte Heimat und ihre erlittenen Verluste zurechtzukommen. Die Familien der Kinder werden bestmöglich eingebunden.

Integration in Heimatnähe fällt leichter

Integrationsprobleme, wie sie bei uns und in Deutschland bekannt sind, gestalten sich in Jordanien anders. Zwar gibt es auch – ob der hohen Anzahl an Flüchtlingen – kritische und besorgte Stimmen, doch die kulturelle und religiöse Nähe zum Heimatland erleichtert viel.

Rahads Mutter weiß die Möglichkeiten, die ihren Kindern geboten werden, sehr zu schätzen. Außer dem Thema „Schule“ äußert sie keine Wünsche an die Zukunft. Die Ausbildung ihrer Kinder hat für sie höchste Priorität. Wie viele Syrer, die in Jordanien langsam Fuß fassen, weiß sie genau, dass sie der Schlüssel für eine gute Zukunft ist.

Erste Projekterfolge

„Was wir als Caritas Kärnten hier anbieten, ist punktgenau das, worauf es jetzt den Menschen auf der Flucht ankommt“, sagt Marketz. Nach den ersten Evaluierungen zeigen sich zudem weitere positive Einflüsse des Hilfsprojektes. „Unsere LehrerInnen werden in gewaltfreier Kommunikation sensibilisiert. Gemeinsam werden Kinderschutzrichtlinien an den Schulen erarbeitet. Das ist für Jordanien neu und fortschrittlich“, erklärt Sacher.

Beeindruckt von der achtköpfigen Familie und gestärkt vom Tee, verabschieden sich die Besucher schließlich von Rahad und ihrer Familie. „Die Kinder aus unseren Projekten gehören nicht zur so genannten ´lost generation´ von Kriegs- und Flüchtlingskindern“, sagt Marketz. Und blickt man in Rahads strahlende Augen und hört ihre selbstbewussten Worte beim Abschied – „Später werde ich Zahnärztin sein“ – bleibt daran kein Zweifel!

*Name geändert

  • Ein Stern für gute Lesekenntnisse

  • Rahad* und ihre Geschwister

  • Rahad* und ihre Brüder

  • Rahad* vor dem Eingang zu ihrem Zuhause

  • Besuch von Direktor Josef Marketz und Projektreferentin Theresa Sacher

Helfen Sie Kindern in Not

Jedes Kind muss lernen dürfen – egal, wo und unter welchen Umständen es lebt. Bildung ist der beste Weg aus der Armut und ermöglicht chancenreiches Aufwachsen. Gemeinsam können wir Kindern in Armut, in Krisen und auf der Flucht echte Perspektiven geben. Gemeinsam können wir notleidenden Kindern in Krisenregionen Sicherheit bieten und Momente unbeschwerter Kindheit ermöglichen.

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