Sie zahlen die Miete zu spät. Sie drehen die Heizung im Winter ab. Ihre Kinder können am Schulausflug nicht teilnehmen, sie selbst nicht genug essen. An Kino oder gar Urlaub ist gar nicht zu denken. Weil das Geld nicht reicht! Ja, genau: SIE. – Frauen. Denn Armut in Österreich und Kärnten ist weiblich. Caritasdirektor Ernst Sandriesser bittet vor dem Hintergrund besorgniserregender Zahlen die Kärntner*innen um Zusammenhalt und Solidarität: „Helfen Sie Familien in Not mitten unter uns, damit Mütter nicht überlegen müssen, ob sie das Kinderzimmer heizen können!“
Rund 89.000 Menschen sind in Kärnten armutsgefährdet. Das ist ungefähr jede*r sechste Einwohner*in. Das belegen die aktuellen Zahlen der Statistik Austria im Rahmen der EU-SILC-Erhebung. Österreichweit sind etwa 1,3 Millionen armutsgefährdet, 336.000 Menschen gelten als absolut arm. Vor allem Frauen haben ein hohes Risiko, von Armut betroffen zu sein.
Weil es Ihre Nachbarin ist, die sich kein Essen leisten kann
Auch Lisa – eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern – erlebt schwere Not. Nach Trennung und Umzug geriet die Frau Anfang 40 in eine existenzielle Krise. Die Alimente waren noch nicht geregelt. Lisa lebte nach Insolvenz ihrer Firma von Arbeitslosengeld und Familienbeihilfe. „Wenn man nicht weiß, wie es weitergeht und ob die Kinder etwas zu essen oder ein Dach über dem Kopf haben, ist das sehr schwer“, so Lisa. Fürs Heizen fehlte oft das Geld. Daher sammelte sie mit ihren Kindern Holz. „Das hat uns dann zumindest eine Nacht lang gewärmt“, erinnert sich die Alleinerziehende. Erst durch unsere Beratungsstellen erhielt sie finanzielle sowie psychosoziale Hilfe.
Rund ein Drittel aller Alleinerziehenden lebt unter der Armutsgefährdungsschwelle. Und: Für alleinlebende Frauen in der Pension ist das Risiko, in Armut abzurutschen im Vorjahr von 28 Prozent auf 32 Prozent gestiegen. Frauen sind auch gefährdeter, wenn sie nicht allein leben: Eine von der Caritas in Auftrag gegebene Studie von Katrin Gasior www.caritas.at/studie-versteckte-armut macht deutlich, dass jede dritte nicht allein-lebende Frau in Österreich ohne ein weiteres Einkommen im Haushalt einem hohen Armutsgefährdungsrisiko ausgesetzt ist.
