Gruppe in Supermarkt hält Schild „Wir schaffen Perspektiven“ für Caritas-Qualifizierungsprojekt „perspektiven.werk“.

Sind zufrieden mit der Bilanz des Qualifizierungsprojektes „perspektiven.werk“: Caritasdirektor Ernst Sandriesser, Landeshauptmann Daniel Fellner, AMS-Geschäftsführer Peter Wedenig, SPAR-Geschäftsführer Andreas Ender und Projektleiterin Sabine Schnitzer mit der erfolgreichen Projekt-Absolventin Kristina Kesinovic. © Caritas/Johannes Leitner

Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt

Unser„perspektiven.werk“ qualifiziert Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, die keine oder nur geringe Chancen auf eine langfristige (Arbeitsmarkt-)Integration haben, für gefragte Jobs im Handel oder in der Gastronomie. Dieses aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und vom Land Kärnten finanzierte Projekt ist mit einer Vermittlungsquote von 80 Prozent sehr erfolgreich.

Abdul Basir Stanikzai ist mit seiner offenen und freundlichen Art bei Kund*innen wie Mitarbeitenden sehr beliebt. Der 27 Jahre alte Mann musste Afghanistan wegen der Taliban verlassen, kam 2022 nach Kärnten und sprach damals fast kein Wort Deutsch. Stanikzai, der in seinem Heimatland als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter gearbeitet hatte, hat vor einem Jahr im Rahmen des Projektes „perspektiven.werk“ im SPAR-Supermarkt der Perspektive Handel Caritas gGmbh in der Feldkirchner Straße in Klagenfurt eine Qualifizierungsmaßnahme in Vollzeit begonnen. „Ob bei der Regalbetreuung, bei der Kasse, in der Getränke- oder Obst- und Gemüseabteilung: Ich habe viel über alle Produkte, über Haltbarkeit, Hygiene und Sauberkeit gelernt sowie viele neue Erfahrungen sammeln können“, sagt Stanikzai. Jetzt, eine Anlehre und ein begleitendes Qualifizierungs-, Beratungs- und Coachingprogramm später, hat er als Vollzeitmitarbeiter in einem SPAR-Supermarkt in Klagenfurt den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft: Er spricht heute dank Sprachkursen und des täglichen Umgangs mit den Kund*innen und Kolleg*innen sehr gut Deutsch. Stanikzai: „Der Job gefällt mir. Ich fühle mich im Team geschätzt und wohl.“ Auch Kärnten „taugt“ ihm. Er hat eine Wohnung und Freund*innen gefunden, liebt das Radfahren und Schwimmen im See. Kärnten ist mittlerweile sein zu Hause. Hier will Stanikzai bleiben und hofft, dass sein Aufenthaltstitel verlängert wird.

Kleine Hebel, große Wirkung: Qualifizierung direkt im Betrieb gelingt 

Das Projekt „perspektiven.werk“ in Klagenfurt ist innovativ: Fachliche Qualifizierung erfolgt direkt im Betrieb durch Training „on the Job“ in den zukunftsrelevanten Branchen Lebensmitteleinzelhandel und Gastronomie. Gleichzeitig werden gezielt Deutsch- und Fachsprachkompetenzen aufgebaut, ergänzt durch ein strukturiertes Workshopprogramm und individuelle Coaching- und Beratungsangebote. 

52 Teilnehmer*innen mit unterschiedlichsten Sprachniveaus – davon 45 weiblich – qualifizierten sich von Februar 2024 bis jetzt für das Programm des „perspektiven.werk“. Die Ausbildung erfolgt im SPAR-Supermarkt der „Perspektive Handel Caritas gGmbh“ und in unserem magdas Lokal. „Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund bringen hohe Motivation und Arbeitsbereitschaft mit. Durch die praxisnahe Ausbildung in unseren Betrieben, maßgeschneiderter Qualifizierung und digitales Lernen, kombiniert mit individueller Begleitung, gelingt es, eine zentrale Lücke zu schließen: zwischen Menschen, die arbeiten wollen, und Handel sowie Gastronomie, die dringend qualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Der hohe Vermittlungserfolg von rund 80 Prozent belegt eindrucksvoll, dass dieser Ansatz nachhaltig wirkt“, freut sich Projektleiterin Sabine Schnitzer. 

LH Fellner: „Integration als Gewinn für Betroffene, Betriebe & Gesellschaft“

„Wenn Menschen, die nach Kärnten geflüchtet sind, Arbeit finden, sich eine Existenz aufbauen und sagen können: ‚Hier bin ich zuhause‘, dann zeigt das, dass Integration gelingen kann“, so Landeshauptmann und Arbeitsmarktreferent Daniel Fellner. Denn Arbeit bedeute mehr als Einkommen, so Fellner weiter. „Arbeit schafft Perspektiven, Selbstständigkeit, soziale Kontakte und das Gefühl, dazuzugehören. Genau deshalb sind Projekte wie das perspektiven.werk so wertvoll: Sie geben Menschen eine echte Chance, ihre Fähigkeiten einzubringen und sich Schritt für Schritt ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Gleichzeitig helfen sie dort, wo Arbeitskräfte dringend gebraucht werden. Die hohe Vermittlungsquote zeigt deutlich, dass dieser Weg funktioniert. Jede erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt ist ein Gewinn für die betroffenen Menschen, für die Betriebe und für unsere Gesellschaft.“

AMS-Chef Wedenig: „perspektiven.werk wirkt mehrfach positiv“

Ein wichtiger Partner in unserem Qualifizierungsprojekt „perspektiven.werk“ ist auch das Arbeitsmarktservice. Peter Wedenig, Landesgeschäftsführer des AMS Kärnten, weiß um die personalintensiven Branchen Handel und Gastronomie. Wedenig: „Der demographische Wandel und der daraus resultierende Arbeitskräftemangel werden zunehmend alle Branchen treffen, sehr stark die Gastronomie und den Handel. Das „perspektiven.werk“ wirkt vor diesem Hintergrund in mehrfacher Weise positiv: Es eröffnet Menschen mit Migrationshintergrund einen breiten Blick auf den Kärntner Arbeitsmarkt: Sie lernen zwei Arbeitsbereiche kennen und mitunter auch gleich den zukünftigen Dienstgeber. Betriebe wiederum werden im Personalbedarf unterstützt. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht zeigt sich dabei sehr deutlich: Erfolgreiche Projekte basieren stets auf einer engen Zusammenarbeit mit Unternehmen – je enger die Kooperation, umso nachhaltiger ist der Erfolg für alle Beteiligten. Das wird auch beim „perspektiven.werk“ sichtbar.“       

SPAR-Chef Ender setzt auf Vielfalt und Integration

Eine Besonderheit ist die enge Kooperation mit der Wirtschaft: Über die Nutzung der mehrfach ausgezeichneten SPAR‑E‑Learning‑Plattform „SEPP“ beispielsweise erhalten die Teilnehmer*innen Zugang zu professionellen, praxisnahen Lerninhalten. SPAR ist für uns auch ein wichtiger Ansprechpartner hinsichtlich der Vermittlung der Projektteilnehmenden. Andreas Ender, Geschäftsführer von SPAR Kärnten und Osttirol, sagt: „Als regionaler Arbeitgeber sucht SPAR laufend motivierte Fachkräfte. In Zusammenarbeit mit der Caritas werden Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund praxisnah ausgebildet und oft anschließend übernommen, was uns immer besonders freut. Vielfalt ist dabei gelebte Realität, und gemeinsam werden Perspektiven für den Arbeitsmarkt geschaffen – auch an weiteren Standorten wie in Villach.“

Wenn Integration lebendig wird

Caritasdirektor Ernst Sandriesser dankt allen Projektpartner*innen für die Unterstützung dieses Projektes, das auch die so wichtige Integration von Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund ermöglicht. Sandriesser: „Die Teilnehmer*innen leisten in der Qualifizierung täglich Enormes. Sie organisieren ihre Familie, nehmen lange Anfahrtswege in Kauf und arbeiten sich mit hoher Motivation in neue Aufgabenfelder ein. Gleichzeitig erleben die Teilnehmer*innen unmittelbar, was Arbeit bewirken kann: Anerkennung durch Kundinnen und Kunden, Wertschätzung im Team und das Gefühl, gebraucht zu werden. Das perspektiven.werk beweist einmal mehr, dass Integration gelingt, wenn die Rahmenbedingungen passen und die Menschen, die hier ankommen, arbeiten können und dürfen.“

Auf Anhieb Job gefunden

Auch Jelena M. Dragicevic aus Kroatien hat über das Projekt „perspektiven.werk“ und dank praktischer Ausbildung als Servicekraft im magdas LOKAL die Qualifizierung geschafft – und auf Anhieb einen Job in einem Klagenfurter Café gefunden. Dass die „Freundin des guten Kaffees“ im Zuge ihrer Ausbildung auch einen Barista-Kurs am WIFI machen konnte, erfüllt die Ehefrau und Mutter eines Sohnes mit Stolz. Das Qualifizierungsprojekt der Caritas kann Dragicevic „nur empfehlen. Auch wenn es nicht immer einfach war, die Ausbildung und Betreuung meines Kindes unter einen Hut zu bekommen, hat mir das ,perspektiven.werk´ sehr geholfen. Ich muss jetzt nicht mehr Hilfsarbeiten nachgehen, sondern habe einen guten Job gefunden, der mir obendrein gefällt!“ 

Finanzierung

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Landes Kärnten finanziert.

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