Kenia

Die Hauptstadt. Die Hauptstadt Nairobi hat rund 3,5 Millionen Einwohner. Allein in den Slums und slumähnlichen Gebieten leben mehr als die Hälfte der Einwohner Nairobis – das sind rund zwei Millionen Menschen. Im Slum Korogocho befinden sich etwa 120.000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Nairobis informelle Siedlungen wurden von der Politik lange Zeit nicht zur Kenntnis genommen und blieben damit von der Stadtentwicklung ausgeschlossen. Es wurden keine Wasser- und Stromleitungen gelegt und keine Straßen gebaut. Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung in den Slums sind jünger als 30 Jahre. Das Leben im Slum ist geprägt von Armut, ständiger Nahrungsmittelknappheit, Beschäftigungslosigkeit und fehlender Infrastruktur. Es gibt zu wenige Schulen, kein funktionierendes Gesundheitssystem, fehlende Abwassersysteme und generell unzumutbare Hygienebedingungen. Die Folgen dieser Rahmenbedingungen für die Menschen sind Gewalt, Drogen, Prostitution, Alkoholismus, Kriminalität und Krankheit.

Landesnatur und Klima. Kenia weist aufgrund seiner geographischen Lage am Äquator ein relativ gemäßigtes Klima auf. Jahreszeiten wie in unseren Breitengraden existieren nicht. Es wird lediglich zwischen Trocken- und Regenzeit unterschieden. Trotz der fehlenden Jahreszeiten variiert das Klima innerhalb des Landes stark. Der Norden ist durch die heiße und trockene Luft von einer wüstenähnlichen Landschaft geprägt, in der ein semiarides bis arides Klima zu finden ist. Im zentralen und westlichen Teil des Landes - in dem sich auch die große, bekannte, afrikanische Grabenlandschaft (Rift Valley) befindet - herrscht ein feuchtes, tropisches Klima vor. An der Küste im Osten des Landes findet man tropische Klimaverhältnisse.

Umwelt. Trotz steigendem Medieninteresse an Umweltfragen und einer Verankerung des Rechts auf „Saubere und Gesunde Umwelt“ in der neuen Verfassung (2010) hat Kenia mit großen umweltbedingten Herausforderungen zu kämpfen. Besonders die durch das Wirtschaftswachstum stetig steigenden Mengen an Müll stellen Kenia vor eine neue Herausforderung. Der Aufbau eines effizienten Abfallmanagement- und Recyclingsystems steht hier noch am Anfang. Neben den großen Abfallmengen führt der voranschreitende Klimawandel zu schwerwiegenden Problemen. Besonders in bereits trockenen Gegenden im Norden des Landes werden Dürreperioden immer häufiger. In anderen Teilen des Landes kommt es hingegen zu vermehrten Überschwemmungen während der Regenzeiten. Ein weiteres Problem sind die lange Zeit praktizierten Waldrodungen zur Gewinnung von neuen Landwirtschaftsflächen, die zu starken Erosionen geführt haben und bis heute negativ nachwirken. Eine Initiative der kenianischen Regierung zum Schutz der Umwelt war die Schaffung von 59 Nationalparks innerhalb des Landes. Durch die Förderung des Tourismus mit hohen Parkeintrittsgebühren soll ein Beitrag zur Erhaltung des Wildbestandes und der Artenvielfalt geleistet werden. Eine Gesetzgebung gegen Wilderei konnte - trotz einiger Schwierigkeiten - dabei helfen diese Erfolge abzusichern.

Bevölkerungsstatistik. Mit einer Bevölkerungszahl von etwa 49 Millionen Menschen und einer Staatsfläche von 580. 367 km2 leben etwa 85 Personen auf einem Quadratkilometer. Im Vergleich dazu weist Österreich eine Bevölkerungsdichte von 105 Personen/km2 auf.

Bevölkerungsbewegung. Mit einer Migrationsrate von -0,2/ 1.000 Einwohner ist Kenia ein sogenanntes Auswanderungsland (= ein Land, in dem mehr Menschen auswandern als einwandern). Die Migrationsrate beinhaltet aber nicht die Anzahl an geflüchteten Menschen, die in ein Land kommen, sondern bewertet lediglich die Wanderungsbewegungen. In Kenia befindet sich das weltweit größte Flüchtlingslager Dadaab mit über 350.000 geflüchteten Menschen. Die meisten Immigranten / Flüchtlinge der vergangenen Jahre kamen aus den benachbarten von Bürgerkriegen geplagten Staaten Südsudan und Somalia nach Kenia.

Ethnien. Mehr als 70 unterschiedliche ethnische Gruppierungen bilden das Gesamtgefüge der kenianischen Bevölkerung. 70 Prozent der Bevölkerung sind einer der 5 größten Gruppierungen zugehörig: Kikuyu, Luo, Lhuya, Kamba und Kalenjin. Vor allem die Gruppe der Kikuyu spielt eine wesentliche Rolle innerhalb der Gesellschaft, da sie einen großen Beitrag zur Unabhängigkeit Kenias von den Briten beigetragen hat und während der antikolonialen Mau-Mau Kriege in den 1950er Jahren aktiv beteiligt war. Oftmals führen Konflikte zwischen den einzelnen Ethnien zu gewaltsamen Handlungen und stellen das friedliche Zusammenleben auf eine harte Probe. Besonders vor und nach Wahlen kommt es vermehrt zu gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen den Ethnien (z. B. Auseinandersetzungen nach der Wahl 2007).

Sprachen. Die offiziellen Amtssprachen in Kenia sind Englisch und Kiswahili. Kiswahili wurde aufgrund der weiten Verbreitung in Ostafrika ein wichtiges Verständigungsmittel in internationalen Angelegenheiten. Dennoch bleibt Englisch die übergeordnete Sprache und spielt insbesondere in der Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Aufgrund der unterschiedlichen ethnischen Gruppierungen in Kenia gibt es auch eine Vielzahl an Dialekten und eigenständigen Sprachen.

Religion. Glaube und Religion haben für die meisten KenianerInnen einen besonderen Stellenwert. Nach der Volkszählung 2009 sind 82,6 % der Bevölkerung Christen, davon etwa 26 % Anglikaner, 23,3 % Katholiken, 2,5 % Orthodoxe sowie Anhänger der zahlreichen afrikanischen Kirchen wie der Kinbanguistenkirche oder der Zion Christian Church. 47,4 % der Bevölkerung sehen sich als Protestanten. Nur noch knapp 1,6 % der Kenianer werden den traditionellen afrikanischen Religionen zugerechnet. Weiterhin gibt es insbesondere an der südöstlichen Küste Muslime der sunnitischen Richtung, die ungefähr 11,1 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Im östlichen Viertel des Landes dominieren muslimische Somali, die etwa die Hälfte aller Muslime Kenias ausmachen (Quelle: Wikipedia).

Politischer Aufbau und Entwicklung. Mit der Unabhängigkeit Kenias von Großbritannien 1963 hat sich ein komplexes politisches System gebildet. Die durch ihre ethnische Herkunft stark beeinflussten Machthaber spalten die Bevölkerung bis heute in erheblichem Ausmaß. Nach dem Erhalt der Unabhängigkeit wurde Jomo Kenyatta, der der Ethnie der Kikuyu entstammte, 1964 zum ersten Präsidenten Kenias. Der bis 1978 regierende Kenyatta wurde nach seinem Tod von seinem oppositionellen Kontrahenten Daniel arap Moi ersetzt, welcher der Ethnie der Kalenijn entstammte. Dieser war von 1978 bis 2002 zweiter kenianischer Präsident. Wie bereits sein Vorgänger Kenyatta konzentrierte er sich auf jene Gebiete Kenias, die überwiegend von seiner eigenen Ethnie bevölkert wurden. Außerdem wechselte er einige unter Kenyatta eingestellte Regierungsmitglieder und Schlüsselpersonen innerhalb der Verwaltung durch Personen der Ethnie Kalenijn aus. Nach seiner letzten Amtszeit 2002 gewann sein früherer Vizepräsident Mwai Kibaki als Oppositionsführer die Wahl. Mit der 2010 beschlossenen neuen Verfassung wurde die Macht des Präsidenten zu einem großen Teil gemindert, u.a. durch eine viel beachtete Föderalismusreform des Landes. 2013 gewann Uhuru Kenyatta, Sohn des ersten kenianischen Präsidenten Jomo Kenyatta, die Wahl und ist bis heute das Staatsoberhaupt Kenias.

Rechtssystem. Grundsätzlich ist das kenianische Rechtssystem stark vom britischen Rechtssystem beeinflusst. Dennoch wurden bereits während der Kolonialzeit auch Teile des traditionellen afrikanischen Rechts als Rechtsquelle in der Rechtsprechung verankert. Die Rechtssicherheit in Kenia ist nicht immer gewährleistet, was teilweise Investoren davon abhält, in Kenia zu investierten. Neben den meist lang andauernden Rechtsverfahren wird auch die Unabhängigkeit der Gerichte des Öfteren in Frage gestellt. Die überfüllten und meist menschenunwürdigen Gefängnisse sind ein großer Kritikpunkt an der Rechtsstaatlichkeit Kenias.

Justizsystem. Die höchste Instanz ist der Supreme Court of Kenya, der mit der neuen Verfassung 2010 eingeführt wurde. Kritiker machen die teils fragwürdige Unabhängigkeit und politische Einflussnahmen auf das Justizsystem für die mangelnde Rechtsstaatlichkeit verantwortlich.

Korruption. Bis heute hat das Land mit großer Korruption in allen Lebensbereichen zu kämpfen. Für internationales Aufsehen hat beispielsweise der „Goldenberg-Skandal“ in den 1990er Jahren gesorgt. Dabei ging es um eine Summe an Korruptionsgeldern, die mit etwa 700 Millionen Euro 10 Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes umfasste. Offensichtlich waren neben korrupten Wirtschaftskapitänen auch zahlreiche Mitglieder der damaligen Regierung von Präsident Daniel arap Moi sowie einige der darauffolgenden Regierung von Präsident Mwai Kibaki (seit 2002/03) involviert. Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich ein Netz von verschiedenen Kontrollorganen aufgebaut, die das kenianische Parlament überwachen sollen. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist das seit 2005 existierende überparteiliche Mzalendo Projekt ‚Keep an eye on Kenyan Parliament’. Trotz dieser Bemühungen nach verbesserter Transparenz liegt Kenia laut dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International 2016 auf Platz 145 von 176 Ländern (http://www.transparency.org/news/feature/corruption_perceptions_index_2016)

Wirtschaftslage. Durch seine strategisch gute Lage in Ostafrika und seiner breitgefächerten Wirtschaft hat Kenia in den vergangenen sieben Jahren ein jährliches Wirtschaftswachstum von 5 bis 6 Prozent aufgewiesen und gehört damit zu den Wirtschaftsmotoren Afrikas. Ein positiver Aspekt der Wirtschaft ist vor allem ein für afrikanische Länder starker Privatsektor. Seit 2015 wird Kenia von der Weltbank als ‚Lower Middle Income Country’ geführt und hat damit die unterste Entwicklungskategorie ‚Low Income Country’ verlassen. Das darf jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Kenias Wohlstand extrem ungleich verteilt ist.

Beschäftigung und BIP. Der Landwirtschaftssektor hat die meisten Beschäftigten in Kenia. 61,2 Prozent der Bevölkerung waren 2005 in diesem Sektor beschäftigt. Mit 1.439 Euro19 BIP/Kopf ist das BIP 2015 etwa 8-mal niedriger als das weltweite durchschnittliche BIP pro Kopf (9.996 Euro)20. Dennoch stieg das BIP innerhalb der vergangenen Jahrzehnte an. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Das Durchschnittseinkommen in Kenia liegt bei etwa 70 Euro im Monat. In Marsabit County leben rund 70 der Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Gesundheit. Die medizinische Infrastruktur weist ein großes Stadt-Land- und Reich-Arm- Gefälle auf. In vielen Teilen des Landes sind zwar medizinische Einrichtungen vorhanden, jedoch besteht zumeist ein Mangel an medizinischer Ausrüstung und gut ausgebildetem Personal. Es gibt sowohl öffentliche als auch private Krankenhäuser, wobei benachteiligte Bevölkerungsschichten zumeist nicht das Geld aufbringen können, um sich die benötigten Medikamente zu besorgen.